Flucht aus Rio de Janeiro

Hat Konsularbeamter seinen Ehemann umgebracht?

Der deutsche Beamte soll in Brasilien seinen Ehemann getötet haben. Nach mehrwöchiger Untersuchungshaft kommt er trotzdem frei. Nun ist er offensichtlich ausgereist. 

Ist ein deutscher Konsularbeamter aus Brasilien geflohen? Er steht unter Mordverdacht.

Berlin/Rio de Janeiro (dpa) – In Brasilien wird gegen einen deutschen Konsularbeamten wegen eines möglichen Tötungsdelikts ermittelt: Nun hat sich die Berliner Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Es werde derzeit ein Rechtshilfeersuchen an Brasilien vorbereitet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gestern. Weitere Angaben seien derzeit nicht möglich. Nach einem Bericht des «Spiegel» ist der Deutsche zwischenzeitlich nach Deutschland zurückgekehrt und am Montag mit einer Linienmaschine am Flughafen Frankfurt/Main angekommen.

Der 60-Jährige war Anfang August nach dem Tod seines Ehemanns in der brasilianischen Millionen-Metropole Rio de Janeiro festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft von Rio klagte ihn am Montag wegen Mordes an und forderte Untersuchungshaft. Ein Gericht in Rio gab dem am Montagabend (Ortszeit) statt.

Staatsanwalt zu langsam – Freilassung  
Der zuständige Richter ordnete nach Gerichtsangaben zudem an, den Namen des Konsularbeamten auf die Interpol-Liste der gesuchten Personen zu setzen. Der Beschuldigte hatte laut Mitteilung am Sonntag einen Flug nach Deutschland angetreten.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin war die Entlassung des Beamten aus der Untersuchungshaft durch das Gericht nicht mit Auflagen verbunden worden. «Unsere Botschaft in Brasilia und das Generalkonsulat in Rio de Janeiro stehen mit den brasilianischen Behörden in engem Kontakt», teilte ein Sprecher gestern auf Anfrage mit. Dadurch habe man auch erfahren, dass die Entlassung des Mannes aus der Untersuchungshaft angeordnet worden sei. Weitere Angaben machte der Sprecher mit Verweis auf Persönlichkeitsrechte nicht.

Ein Gericht in Rio hatte zuvor die Freilassung aus der mehrwöchigen Untersuchungshaft angeordnet. Die Staatsanwaltschaft habe die Frist verstreichen lassen, bis zu der sie die Einleitung eines Strafverfahrens hätte beantragen müssen, teilte die zuständige Richterin am Wochenende auf Anfrage mit. Zuvor war ein anderer Antrag des Deutschen auf Haftentlassung noch abgelehnt worden.

Pass nicht einbehalten  
Die Justiz habe zwar seine Freilassung angeordnet, aber nicht die Einbehaltung des Passes bestimmt, sagte die zuständige Polizeibeamtin Camila Lourenço der Deutschen Presse-Agentur. «Das hat seine Flucht erleichtert.»

Der Mann steht in Verdacht, seinen belgischen Ehemann am 5. August umgebracht zu haben. Der Beschuldigte selbst hatte angegeben, sein Mann sei nach einem Streit unter Alkohol- und Medikamenten-Einfluss vom Balkon der gemeinsamen Wohnung gestürzt. Die Polizei bezweifelt das. In der Wohnung, besonders im Schlaf- und im Badezimmer, seien Blutspuren festgestellt worden.

Aufgrund des Obduktionsberichts gehen die Beamten davon aus, dass ein Schlag auf den Hinterkopf zum Tod führte. Am Körper des Opfers seien zudem mehrere frische und alte Verletzungen festgestellt worden. Dies deute darauf hin, dass der Mann sowohl am Tag des Todes als auch zuvor starken körperlichen Leiden ausgesetzt gewesen sei, hieß es damals.

Symbolfoto:  tokamuwi / PIXELIO

31.08.22 wel