Frust, Rache oder Betrug

Brennende Autos: Polizei fasst Serientäter

Eine der Schattenseiten der Großstadt: Jedes Jahr werden hunderte Autos in Berlin angezündet. Die Täter: Extremisten, Pyromanen, Randalierer, Kriminelle. Jetzt hat die Polizei einen Serienbrandstifter geschnappt.

Ein ausgebranntes Auto steht in Kreuzberg. In Berlin brennen jede Nacht Autos.

Berlin (dpa) – Im Kampf gegen die vielen Brandstiftungen an Autos in Berlin hat die Kriminalpolizei einen Erfolg erzielt. Die Fahnder konnten einen mutmaßlichen Serientäter auf frischer Tat ertappen und festnehmen. Der Verdächtige wurde bereits vor fünf Wochen, am 6. August, in Hamburg gefasst. Er soll nach Angaben der Polizei keine politischen Motive haben.

Die wegen der zahlreichen Brandstiftungen eingesetzte Kripo-Ermittlungsgruppe «Nachtwache» hatte den Mann als Verdächtigen im Visier. Es sei ihm aber gelungen, die Stadt zu verlassen und sich nach Hamburg abzusetzen. Auch dort wollte er ein Auto anzünden. Dabei wurde er dann erwischt.

Erfolgreiche Ermittlungsgruppe wird aufgelöst 
Der Mann war laut Polizei bereits vorher wegen ähnlicher Delikte verurteilt worden. Er hat drei Brandstiftungen in Berlin zugegeben. Nun will die Polizei klären, ob er auch weitere 28 Brandstiftungen verübt hat. Die Polizei spricht von einem Erfolg und kündigt an, die Ermittlungsgruppe wieder aufzulösen. Sie war im Juli eingerichtet worden.

Die Gesamtzahl aller abgebrannten oder angezündeten Autos lag Anfang August bei 320. Davon wurden etwa 190 von den Tätern direkt angezündet, weitere 130 wurden durch Flammen beschädigt. 2018 hatten 446 Autos gebrannt. Bei einem kleineren Teil der Anschläge geht die Polizei von linksextremistischen Tätern mit politischen Motiven aus. In den meisten anderen Fällen gibt es den Ermittlungen zufolge andere Gründe: Vandalismus, pyromanische Tendenzen, Racheaktionen im privaten Umfeld und Versicherungsbetrug.

Motiv: Einfach Frust 
In den vergangenen Jahren hatte die Polizei immer mal wieder Serientäter gefasst. 2011 wurde ein 27-Jähriger verhaftet. Er gestand, für mehr als 100 Autobrände verantwortlich zu sein. Als Motiv gab er Frust an.

Zuletzt fasste die Polizei am Mittwochmorgen einen Brandstifter. Die Feuerwehr wurde gegen 2.20 Uhr zu einer brennenden Ladefläche eines abgestellten Transporters gerufen. Etwa eine Stunde später bemerkte ein Fußgänger in derselben Straße ein brennendes Motorrad. Kurz vor seiner Beobachtung kam ihm nach Polizeiangaben ein ihm merkwürdig erscheinender Mann entgegen. Eine Personenbeschreibung führte später zur Festnahme eines 39-Jährigen. Zuvor hatten Polizisten in der Nähe zwei brennende Müllcontainer im Müllraum eines Mehrfamilienhauses entdeckt.

Archivfoto:  Annette Riedl / dpa

13.09.19 wel