Geheim-Operation Nachtsprung (1/3)

Der Umzug der BND-Spione – Aufbruch in die Zukunft

Die Agenten des Bundesnachrichtendienstes haben ihr neues Hauptquartier in Berlin bezogen. Es war einer der größten Umzüge in der Geschichte der Bundesrepublik – und einer der geheimsten.

Warten auf das Signal zur Abfahrt: Ein Umzugs-Lkw steht an der Ausfahrt zum alten Gelände des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Pullach bei München.

VON JÖRG BLANK  (dpa)
Die weiße Präsidenten-Villa auf dem riesigen Gelände der früheren BND-Zentrale im Münchner Vorort Pullach wirkt verlassen. Bruno Kahl nutzt sein Büro im ersten Stock nicht mehr. Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes ist schon im Sommer endgültig ins neue Hauptquartier im Zentrum Berlins gezogen. Bis Ende November sind 4.000 der rund 6.500 Geheimen in den hochmodernen Bau gewechselt. Der Umzug des Auslandsgeheimdienstes hat ein Jahr gedauert, jetzt ist er so gut wie abgeschlossen. Die meisten Agenten kamen aus Pullach, viele auch aus anderen Standorten.

Es ist einer der größten Umzüge in der Geschichte der Bundesrepublik. Und auch wenn die Verlegung des Geheimdienstes lange bekannt war: Es dürfte einer der geheimsten im Lande sein.

Aus der Vergangenheit in die Zukunft
Für den BND bedeutet der Wechsel auch einen Weg weg von vergangenen Nazi-Zeiten und der düsteren Umgebung des Kalten Krieges mit klaren Bedrohungsszenarien zwischen Ost und West. Die Arbeit in Pullach war jahrzehntelang so abgeschirmt, dass viele Außenstehende der Legende glaubten, hinter den Mauern liege eine Irrenanstalt. Selbst ihren Kindern durften die Spione nicht verraten, für wen sie arbeiten.

Gut 70 Jahre hatte der BND-Präsident in Pullach residiert. Das alte Chefbüro liegt im Schlafzimmer jener Villa, die der Hitler-Vertraute und NSDAP-Leiter Martin Bormann (1900-1945) für sich und seine Familie gebaut hatte. Deren Musikzimmer diente lange als BND-Besprechungsraum. An der mit Holz vertäfelten Wand hängt ein Porträt Friedrichs des Großen. Der Preußenkönig war ein Vorbild Hitlers.

Mit israelischen Geheimdienstlern soll hier schon verhandelt worden sein, auch afghanische Taliban seien bereits da gewesen, heißt es. Offiziell bestätigt werden solche Details nicht.

Längst leer, die Präsidentenvilla in Pullach. Der Chef ist schon im Sommer nach Berlin umgezogen.

«Es darf nix flöten gehen» 
Ein paar hundert Meter entfernt von der Präsidentenvilla tragen zehn Packer einer Speditionsfirma an diesem Freitagmorgen Kisten und Container aus den Bürogebäuden. Es ist noch dunkel, als der BND-Umzugsmanager die Sicherheitsphilosophie erklärt: «Es darf nix flöten gehen.»

Der Referatsleiter ist für den Gesamtumzug zuständig. Er wirkt wie der Projektmanager eines normalen Großunternehmens. Mit einer Besonderheit: Er ist Spezialist fürs Geheime. «Wir haben unseren Job gut gemacht, wenn keiner ihn mitkriegt. Ein Umzug, der langweilig ist, ist der beste», sagt der Mann, der seinen Namen lieber nicht in den Medien lesen will. Nichts darf den Transport der Akten und Spezial-Apparate gefährden. Auch der Arbeits- und Analysebetrieb darf nicht unterbrochen werden. Motto: Krisen schlafen nicht.

WIRD FORTGESETZT

Fotos:  Sven Hoppe / dpa  (Bildbearbeitung: e110)

04.12.18  wel