Geheime Infos verraten? Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft unter Verdacht

Berlin (dpa) – Bei Ermittlungen gegen eine mutmaßliche Drogenbande ist eine Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft Berlin selbst ins Visier der Ermittler geraten. Die Frau ist mit einem der Verdächtigen liiert, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Sebastian Büchner, heute mitteilte. Es bestehe der Anfangsverdacht, dass sie vertrauliche Informationen abgefragt und möglicherweise ihren Lebensgefährten gewarnt habe. Der 24-Jährige soll im großen Stil mit Drogen gehandelt haben und war am Mittwoch in Berlin neben vier weiteren Männern bei Durchsuchungen verhaftet worden.

Gegen dessen Partnerin wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft am 10. Juni – fünf Tage vor der Razzia also – ein Verfahren wegen des Verdachts der Strafvereitelung eingeleitet. Von den Durchsuchungen war dann auch die Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft betroffen, wie es hieß. Sie sei mit ihrem Lebensgefährten in Berlin in der gemeinsamen Wohnung angetroffen worden. Bei der Aktion wurden Datenträger sichergestellt.

Arbeitsrechtliche Maßnahmen in Vorbereitung 
Diese müssten nun ausgewertet werden, um zu klären, ob die Frau tatsächlich Interna verraten habe, heißt es. Ersichtlich seien die mutmaßlichen Drogenhändler aber nicht vorgewarnt gewesen. Inzwischen habe die Mitarbeiterin keine Möglichkeit mehr, auf die Daten der Behörde zuzugreifen, sagte Büchner. Die Frau arbeite zurzeit nicht. «Die erforderlichen arbeitsrechtlichen Maßnahmen werden derzeit vorbereitet», so der Behördensprecher. Weitere Angaben machte er nicht zu seiner Kollegin.

Die mutmaßliche Drogenbande war am vergangenen Mittwoch aufgeflogen. Bei der Durchsuchung von 21 Wohnungen in Berlin und einer in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) wurden nach Angaben der Behörden unter anderem anderthalb Kilo Marihuana, Waffen, Luxusuhren sowie mehr als 60.000 Euro Bargeld und ein teures Auto sichergestellt. Die 24 bis 51 Jahre alten Männer stehen im Verdacht, von März bis Juni 2020 mit 145 Kilogramm Marihuana, 137 Kilogramm Chrystal Meth, 11 Kilogramm Kokain und einem Kilo Amphetamin gehandelt zu haben. Auf die Spur der Bande kamen die Ermittler durch die Auswertung von Nachrichten aus dem verschlüsselten Chatprogramm «EncroChat».

17.06.22 wel