Geiselnahme in Ingolstadt: Dritter Bürgermeister freigelassen

Ingolstadt (dpa). Ein bewaffneter Stalker hält bei einer Geiselnahme im Ingolstädter Rathaus zwei Männer und eine Frau seit Stunden fest. Der vorbestrafte 24-Jährige soll der Rathausmitarbeiterin seit längerem nachgestellt haben. Inzwischen kam eine der Geiseln, Ingolstadts Dritter Bürgermeister Sepp Mißlbeck, nach Verhandlungen frei. Der Geiselnehmer stellte bis jetzt keine konkreten Forderungen. Laut Polizei hat er schon seit einiger Zeit psychische Probleme.

Auch rund sieben Stunden nach Beginn der Geiselnahme ist das Rathaus von Polizisten abgeriegelt, mehr als 200 Beamte im Einsatz. Ein Spezialeinsatzkommando bereitet sich auf einen möglichen Einsatz vor. Die Freilassung des Bürgermeisters ist laut Polizei das Ergebnis von Verhandlungen zwischen den Beamten und dem Geiselnehmer.

Der 69 Jahre alte Kommunalpolitiker (Freie Wähler) wurde zunächst von den Ermittlern vernommen. «Selbstverständlich ist er beeinruckt von dem, was er den ganzen Vormittag erdulden musste, aber er scheint zumindest körperlich absolut gesund», sagte Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer. Auch den anderen beiden Geiseln gehe es gut.

Merkel-Auftritt abgesagt
Der Täter habe wegen des Stalkings der Mitarbeiterin Hausverbot im Rathaus gehabt, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vor Ort. In den vergangenen Wochen sei der Konflikt eskaliert, nachdem der Mann gegen das Hausverbot verstoßen habe. «Der Begriff Stalker erscheint mir etwas verharmlosend, weil er doch eine ganze Liste von Vorstrafen hat, die weit über das hinausgeht, was man als Stalking bezeichnet», sagte Oberbürgermeister Alfred Lehmann (CSU) über den 24 Jährigen. Er sei wegen Körperverletzung und Bedrohungsdelikten bekannt.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei der Pistole des Täters um eine scharfe Waffe handelt. Es gebe regelmäßige Gespräche des Krisenstabes mit dem Mann. «Er lässt zu, dass man immer wieder Kontakt zu ihm aufnimmt», sagte Polizeisprecher Kammerer. Der 24-Jährige, der laut Polizei «ganz erheblich unter psychischem Druck» stehe, hat heute Vormittag kurz vor 9 Uhr das Alte Rathaus der oberbayerischen Stadt betreten.

Ein Wahlkampfauftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) direkt vor dem Rathaus wurde wegen der Geiselnahme abgesagt. Die CDU-Chefin sollte um 17 Uhr mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) direkt auf dem seit dem Morgen weiträumig abgesperrten Rathausplatz auftreten. Einen Zusammenhang zwischen dem Besuch und der Geiselnahme sieht die Polizei nicht.

19.08.2013 Ta               Stand: 17.40 Uhr