Geklaut wird auch in Kirchen

Geldgierige Metalldiebe kennen keine Ehrfurcht

Wertvolles wird aus Kirchen selten gestohlen. Aber auch die vielen kleinen Diebstähle machen Arbeit, kosten Geld und sorgen vor Ort für Aufregung. In einem Fall in Kaiserslautern ist zwar das Diebesgut nicht mehr aufgetaucht. Trotzdem gibt es ein Happy End.

Der Altar der Stiftskirche in Kaiserslautern: Das Kreuz aus Bronze ist verschwunden – gestohlen vermutlich von dreisten Metalldieben.

Mitte Mai stehlen unbekannte Täter ein Altarkreuz aus Bronze aus der Kaiserslauterer Stiftskirche. Aus einer Gebetsecke – trotz Aufsicht in der Kirche. Der Fall ist einer von mehr als hundert angezeigten Diebstählen, die jedes Jahr in Kirchen in Rheinland-Pfalz begangen werden. Die Polizei spricht von «äußerst geringen Fallzahlen». Bei den Betroffenen sorgen Diebstähle aus Kirchen aber häufig für Aufregung.

Aus Kirchen gestohlen werden etwa Kunstgegenstände wie Statuen, Bilder oder sakrale Gegenstände wie Monstranzen oder Hostien-Schalen, teilt Judith Rupp, Sprecherin des Bistums Trier, mit. Auch der Opferstock sei immer mal wieder Ziel. Weder die katholischen noch die protestantischen Kirchen führen zur Zahl der Diebstähle Statistiken.

117 Fälle von Diebstählen aus Kirchen verzeichnete die Polizei 2018. Das sind weniger als in den Jahren zuvor (2017: 146, 2016: 179, 2015: 183, 2014: 142). Dazu kommen 263 Diebstähle auf Friedhöfen im Jahr 2018. Auch hier gab es einen Rückgang: 43 Fälle oder 14,1 Prozent weniger als noch 2017.

Hauptsache Metall 
Die Täter hätten es – wie in der Stiftskirche in Kaiserslautern – fast ausnahmslos auf Metall abgesehen. Dazu würden Kreuze überwiegend von Gräbern, seltener aus Kirchen gestohlen. Parallel dazu komme es auch zum Diebstahl von sonstigem Grabschmuck wie Buchstaben, Figuren, Schalen oder Grablichtern, die aus Bronze, Kupfer, Messing oder Edelstahl bestehen. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um Einzeltäter handelt. Organisierte Täterstrukturen seien nicht festgestellt worden.

Laut Polizei können die Gegenstände ohne Weiteres bei Schrott- und Altmetallhändlern, die nicht zur Überprüfung der Herkunft verpflichtet sind, verkauft werden. Es besteht daher schon länger die Forderung, die Händler zum Führen von Ankaufs-Tagebüchern zu verpflichten, in der Gegenstand und die Herkunft des Verkäufers verzeichnet wird.

Für Gläubige emotionale Bedeutung 
Vermutlich ist in manchen Fällen der immaterielle Schaden höher als der materielle, etwa wenn der Diebstahl Gegenstände betrifft, die eine große emotionale Bedeutung für die Menschen hat, sagt Judith Rupp vom Bistum Trier. «Für uns hat es einen höheren symbolischen und ideellen Wert als materiellen», erläutert auch Stefan Bergmann, Pfarrer an der protestantischen Stiftskirche in Kaiserslautern, nach dem dortigen Diebstahl.

Diebstähle wertvoller Gegenstände sind zumindest in den größeren katholischen Kirchen kein großes Thema. «Im Dom ist das eigentlich kein Problem», sagt Heinz Heckwolf, Domdekan in Mainz. Einmal sei während einer Fronleichnamsprozession ein Opferstock gestohlen, dann aber in einer Seitenstraße abgelegt worden. Das Schlimmste, was geklaut werde, sei eine Kerze, sagt Friederike Walter vom Domkapitel Speyer.

Auch beliebt: Kerzen vom Adventskranz und Kollekte 
«So kleinere Sachen werden manchmal geklaut», bestätigt der Wormser Domküster Markus Löhr. «Kleinigkeiten, die man verschmerzen kann.» Leute würden Kerzen vom Adventskranz stehlen, Blumengestecke mitnehmen oder auch mal versuchen, an das Kleingeld in den Opferkassen zu kommen. «Man lernt über die Jahre, was man hinstellen kann und was nicht», sagt er. «Größere Kerzen räumen wir weg», erklärt Pfarrer Bergmann aus Kaiserslautern. «Wenn wir sie stehen lassen, werden sie weniger.»

Auch kleine Diebstähle können aber eine Menge Arbeit nach sich ziehen, sagt der Sprecher der Evangelischen Kirche der Pfalz, Wolfgang Schumacher. Außerdem entstehe oft auch bei geringer Ausbeute für den Dieb ein hoher Sachschaden. In den vergangenen Jahren hätten die Gemeinden im Gebiet der Evangelischen Kirche der Pfalz nach Diebstählen und Einbrüchen einen Schaden von fast 900.000 Euro an die Versicherung gemeldet, sagt er. «Und jeder Einbruch sorgt vor Ort für Aufregung.»

Zehnjähriger fertigt Ersatzkreuz an 
So auch im Fall des gestohlenen Altarkreuzes in Kaiserslautern. «Wir haben sehr viele Mitleidsbekundungen bekommen, hatten aber auch aufgebrachte Leute», sagt Pfarrer Bergmann. Auch wenn das originale, 52 Zentimeter hohe Altarkreuz aus Bronze nicht mehr aufgetaucht ist, ist mittlerweile Ersatz gefunden – und der kommt von einem zehnjährigen Jungen. «Er fand das schlimm und wollte es wieder gutmachen», sagte Bergmann. Der Junge fertigte einen Ersatz an.

Foto:  Stefan Bergmann / Stiftskirche Kaiserslautern / dpa 

23.06.19 wel