Hat denn jeder ein Messer dabei?

Fast täglich Angriffe mit Stichwaffen – Statistik fehlt

Beinahe täglich meldet die Polizei Messerangriffe. Doch ob solche Attacken tatsächlich zunehmen, ist unklar. Noch fehlen bundesweite Zahlen. Das soll sich ändern. Wie ist der Stand der Dinge?

Von der Kölner Polizei sichergestellte Stichwaffen

VON MICHAEL KIEFFER  (dpa)
Kaum ein Tag in Deutschland vergeht ohne einen Messerangriff oder eine Messerstecherei. War das schon immer so? Oder nimmt die Zahl der Attacken zu? Auch wenn Polizei und Politik verstärkt darüber diskutieren – belastbare Zahlen gibt es bislang nicht. Und so schnell wird sich das auch nicht ändern.

Zwar hat die Innenministerkonferenz (IMK) entschieden, dass die Kriminalstatistik des Bundes künftig Angaben zu Messern als Tatmittel enthalten soll. Die Umsetzung dürfte aber mehrere Jahre dauern, wie das Bundeskriminalamt (BKA) der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagte der dpa: «Wir haben gehört, dass es noch bis 2022 dauern soll, aber das halten wir für zu spät.»

Gesellschaftliche Grundsatzdebatte 
Die GdP hatte vor gut einem Jahr «angesichts offenbar zunehmender Messerangriffe» eine «gesellschaftliche Grundsatzdebatte über wirksame Gegenmaßnahmen» gefordert. Es gebe kaum einen Tag, an dem nicht Polizeimeldungen über gefährliche oder sogar tödliche Messerattacken bekannt würden, hatte Malchow damals mitgeteilt.

Nach BKA-Angaben erarbeiten die Gremien der IMK zurzeit die Leitlinien für die Umsetzung einer statistischen Erfassung von Messerangriffen. Die Kriminalstatistik basiere auf den Datensätzen der einzelnen Bundesländer. «Sobald dort eine einheitliche Erfassung sichergestellt ist, können die entsprechenden Daten in die bundesweite Statistik einfließen», erklärt das BKA. Doch das brauche «aufgrund der erforderlichen Umstellung von technischen Erfassungssystemen in den Bundesländern» eben noch Zeit.

Mit Messer gewaltbereiter 
«Derzeit kann das BKA keine Aussagen dazu treffen, ob Angriffe mit Messern in Deutschland zunehmen», heißt es aus Wiesbaden. Befragungen zeigten allerdings einen Trend zum häufigeren Messertragen, insbesondere bei Menschen zwischen 14 und 39 Jahren. «Als Gründe für das Mitführen eines Messers werden insbesondere die Angst, Opfer einer Straftat zu werden, sowie die Orientierung an Männlichkeitsnormen angeführt.»

Nach BKA-Angaben geht aus Studien hervor, dass das Tragen von Messern Einfluss auf das Gewaltverhalten haben kann: Jugendliche, die Messer mit sich führen, haben demnach ein doppelt so hohes Risiko, Gewalttaten auszuführen, wie Jugendliche, die kein Messer dabei haben. «Das Bundeskriminalamt rät vom Mitführen jeglicher Arten von Waffen ab. Auch zu Verteidigungszwecken sollten Waffen, wie zum Beispiel Messer und Pfeffersprays, nicht mitgeführt werden», betont die Behörde.

Nach Beobachtung der GdP in Nordrhein-Westfalen gibt es dort zunehmend Messerattacken auf Polizisten. Malchow sagte: «Mein Stellvertreter Michael Mertens geht davon aus, dass bei Konflikten immer häufiger das Messer gezückt wird. Entweder werde mit dem Messer bedroht oder es direkt eingesetzt.»

Kontrollen auf Bahnhöfen 
Mit einer Reihe groß angelegter Messer-Kontrollen hat die Bundespolizei jüngst in mehreren deutschen Städten Aufmerksamkeit erregt. Ein «temporäres Mitführverbot von gefährlichen Werkzeugen» galt etwa in Berlin, und zwar an 13 Wochenenden bis Januar auf einer viel befahrenen Bahnstrecke im Stadtzentrum.

Kontrolliert wurden nach Angaben der Bundespolizei mehr als 7.500 Menschen. Dei 179 wurden Verstöße gegen das Mitführverbot registriert. Die Polizisten stellten bei ihnen 363 gefährliche Gegenstände sicher – verschiedene Messer, Reizstoffe, Pyrotechnik sowie potenzielle Schlag- und Stichgegenstände.

Archivfoto: Oliver Berg / dpa

11.02.19  wel