In der Dämmerung steigt die Angst

Einbrecher jetzt früher aktiv – Ansturm auf Beratungsstellen

Im Herbst herrscht bei der Hamburger Einbruchs-Beratungsstelle besonders großer Andrang, denn viele Menschen fürchten sich im Dunkeln mehr als im Hellen davor, Einbruchsopfer zu werden. Nicht ganz zu Unrecht.

Hamburg (dpa) – Die Einbruchs-Beratungsstelle der Hamburger Polizei erwartet im Herbst eine erhöhte Nachfrage nach Terminen. Wenn die Tage kürzer werden, machen sich Menschen verstärkt Sorgen um die Sicherheit ihres Wohnraums, erklärt Sprecher Rüdiger Voss. Nicht ganz unbegründet: Viele Einbrecher suchten für ihre Tat den Schutz der Dunkelheit und bevorzugten deshalb Monate, in denen die Dämmerung bereits nachmittags einsetzt. Am bundesweiten Tag des Einbruchschutzes beteiligen sich am 28. Oktober deshalb auch die Hamburger Beamten und klären Interessenten über Möglichkeiten auf, wie sie ihre Wohnungen sicherer machen können.

Voss rät Bewohnern, auch dann Licht anzulassen, wenn sie nicht zu Hause sind. Andernfalls könnten potenzielle Einbrecher gerade in der dunklen Jahreszeit recht leicht feststellen, wenn sich niemand im Haus aufhalte. In Einfahrten und Gärten empfiehlt er, die ganze Nacht über Lampen brennen zu lassen – auch wenn das Strom kostet. «Energiesparwahn ist da an falscher Stelle», so Voss. Im Innenraum genüge Beleuchtung in den Nachmittags- und Abendstunden.

Aggressive Einbrecher sind die Ausnahme 
Die Angst vieler Menschen, Einbrecher könnten in ihr Haus eindringen während sie schlafen, ist laut Voss groß, «aber völlig unbegründet». Räuber – also Einbrecher, die in Kauf nehmen, dass Bewohner zu Hause sind, und die diese dann angreifen – seien die «absolute Ausnahme». Die meisten Einbrecher seien nicht risikofreudig, sondern darauf aus, günstige Gelegenheiten zu nutzen.

Sollten Bewohner doch einmal auf einen ungebetenen Gast in ihrer Wohnung treffen, rät Voss dringend davon ab, den Einbrecher selbst zu stellen. «Das ist fatal.» Zum eigenen Schutz solle man lieber laut rufen oder sich anders bemerkbar machen. «Dann hat der Täter noch die Chance zum Rückzug.»

Schlimmer ist der psychische Schaden 
Damit es nicht so weit kommt, bietet die Beratungsstelle interessierten Hamburgern kostenlos anderthalbstündige Gespräche an, in denen sie Tipps erhalten – etwa zur technischen Nachrüstung ihrer Wohnung. Auch Einbruchsopfer werden regelmäßig betreut und mitunter an Trauma-Ambulanzen oder Opferschutz-Organisationen weitergeleitet. Viel schlimmer als der finanzielle Schaden ist für viele Betroffene nämlich der Verlust von Erinnerungsstücken oder das Gefühl, dass jemand in ihre Privatsphäre eingedrungen ist, so Voss.

Verängstigten Bewohnern hat die Hamburger Polizei aber letztendlich recht beruhigende Zahlen entgegenzusetzen: Insgesamt schlagen Einbrecher in der Hansestadt immer seltener zu – obwohl die Anzahl der Wohnungen stetig steigt. 2017 zählte die Hamburger Polizei knapp 5.800 Einbrüche und Einbruchsversuche. Das sind rund 23 Prozent weniger als im Vorjahr und fast 36 Prozent weniger als 2015, als noch 9.000 Einbrüche gemeldet worden waren.

Kriminalpolizeiliche Beratungsstellen gibt es übrigens bei jeder größeren Polizeidienststelle.

Archivfoto:  Daniel Maurer / dpa (Bildbearbeitung: e110)

03.10.18  wel