Kaum noch neue Verstecke

Knast-Alltag: Drogen hinter dicken Mauern

JVA Plötzensee: Ab und zu fliegt hier ein Drogenpaket über die Mauer.

Berlin (dpa) – In den Gefängnissen der Hauptstadt sind in diesem Jahr bereits etwa 2,2 Kilogramm Drogen beschlagnahmt worden. Bei zehn Kontrollen wurden auch Spürhunde eingesetzt,  sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Justiz auf dpa-Anfrage. Die Hunde erschnüffeln verbotene Substanzen, sie kommen von Polizei und Zoll. Diese Zusammenarbeit habe sich bewährt.

Die größte Menge von Substanzen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, wurde demnach mit rund 1,3 Kilo im Gefängnis Plötzensee sichergestellt. Darunter waren laut Angaben Cannabis-Produkte, Heroin, Kokain, Tilidin und Amphetamine. Im Frauen-Gefängnis seien knapp fünf Gramm Heroin und Kokain konfisziert worden, heißt es.

Per «Luftpost» in den Knast 
Trotz der «Corona»-Pandemie sei die Kontrolle von Hafträumen nicht eingeschränkt worden, sagte der Sprecher. Da Besuche von draußen nicht erlaubt waren, konnten Drogen auf diesem Weg nicht eingeschmuggelt werden. Es seien wieder mehr Päckchen über Gefängnismauern geworfen worden. Im ersten Quartal wurden 82 dieser sogenannten Überwürfe entdeckt. Am häufigsten kam das im Gefängnis Plötzensee vor (63 Überwürfe).

Erst vor einer Woche war im Gefängnis Heidering ein externer Küchenmitarbeiter als mutmaßlicher Drogenkurier enttarnt worden. Er wollte einen Rucksack voller Drogen in die Haftanstalt einschmuggeln (e110 berichtete).  Gegen den 51-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen. Er ist aber gegen Auflagen auf freiem Fuß.

Drogenfreie Gefängnisse gibt es nirgendwo 
Nicht nur Drogen, auch Handys werden immer wieder eingezogen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es 284 mobile Telefone. Gefangene dürfen keine Privattelefone haben. Im vergangenen Jahr wurden 1.076 Geräte bei Berliner Gefangenen beschlagnahmt.

Regelmäßig suchen Spürhunde die Gefängniszellen ab. Sie können Drogen, aber auch Handys aufspüren.

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) lobte die Bediensteten in den Haftanstalten, die dort auch in der Pandemie für Sicherheit und Ordnung sorgten. In einem früheren dpa-Gespräch hatte Behrendt gesagt, Drogenfunde zeigten den Erfolg der Kontrollen. Dennoch: «Vollständig drogenfreie Gefängnisse gibt es nirgendwo auf der Welt.»

Im «Corona»-Jahr 2020 wurden in den Gefängnissen knapp 8,5 Kilogramm illegale Drogen beschlagnahmt. Das waren rund 3,7 Kilo mehr als 2019.

Fotos: 
JVA Plötzensee: Paul Zinken / dpa
Spürhund:  Hendrik Schmidt / dpa   (Bildbearbeitung: e110)

07.06.21 wel