Körperverletzung, Drogenhandel, Schutzgelderpressung

Wann treiben's die Rocker zu bunt? Die Antwort ist nicht einfach

Aachen/Düsseldorf (dapd/dv). Um 5.00 Uhr ist die Idylle in Alsdorf vorbei: Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat den Verein «MC Bandidos Chapter Aachen» und fünf seiner Untergruppen aus der Region verboten. Er lässt auf dem Vereinsgelände der Rocker in dem Eifelstädten Beweise sichern, um ein Verbot untermauern zu können. Zeitgleich durchsuchen mehr als 600 Polizisten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz fast 40 Wohnungen von Bandidos-Mitglieder und deren Unterstützern.

Mit schwerem Gerät sind die Beamten in Alsdorf angerückt. Lkw-weise transportieren sie Beweise ab. Nach Jägers Angaben finden sich in den Wohnungen und auf dem Vereinsgelände unter anderem Waffen, Gerätschaften zum Abhören des Polizeifunks und Bargeld. Einen Safe holen die Beamten mithilfe eines Baggers aus einer der Holzhütten bei Alsdorf, in denen sich der Bandidos-Supporter Club «Chicanos MC Chapter Alsdorf» niedergelassen hat.

Das Gelände ist schwer zugänglich. Lediglich ein Feldweg führt zu den Hütten. Um ihr Vereinsheim haben die Rocker einen Zaun gezogen. An mehreren Stellen sind jedoch Tore eingelassen, die im Notfall eine Flucht ermöglichen.

Auch Spezialkräfte im Einsatz
Die Polizei durchsucht fast 40 Unterkünfte der Bandidos und ihrer Supporter unter anderem in Aachen, Köln, Bonn und Koblenz. Unterstützt werden die Beamten von Spezialeinheiten, weil mehrere der 36 betroffenen Rocker als gefährlich eingestuft werden.

Festnahmen gibt es nach Jägers Angaben zwar nicht. Doch den Mitgliedern des Bandidos-Clubs und seiner Unterstützer ist ab sofort jede Vereinstätigkeit und die Bildung von Ersatzorganisationen untersagt. Außerdem sei es ihnen verboten, die Vereinssymbole in der Öffentlichkeit zu zeigen oder zu verbreiten, sagt Jäger.

Kriminelle Vormachtsstellung
Der Einsatz gegen die Rocker war seinen Angaben zufolge nötig geworden, weil es Hinweise gegeben habe, dass die Bandidos im Raum Aachen «ihre kriminelle Vormachtstellung ausweiten wollten». Einzelnen Mitgliedern wurde unter anderem die Beteiligung an gefährlichen Körperverletzungen, Drogenhandel und Schutzgelderpressung vorgeworfen.

Einen Zusammenhang zwischen dem Vereinsverbot gegen die Aachener Rocker und der anstehenden Landtagswahl weist der Minister zurück. Die Ermittlungen gegen den Verein seien bereits lange vor der Auflösung des Landtages eingeleitet worden, sagt er. Verbote bräuchten allerdings ihre Zeit.

Bereits in den vergangenen Wochen war die Polizei mehrfach gegen Rockerbanden in NRW vorgegangen. Unter anderem waren Räume der Bandidos in Herne und Bochum durchsucht worden. Mithilfe der Aktion sollte eine Massenschlägerei zwischen Bandidos und Mitgliedern der Hells Angels aufgeklärt werden. Rund 100 Rocker der Hells Angels und der Bandidos hatten sich im Januar in Mönchengladbach geprügelt.

Wenn es soweit ist, handeln wir“
Zu weiteren möglichen Aktionen will sich Jäger nicht äußern. Es gebe zwar Ermittlungen gegen andere Vereine. Aber: «Wir reden nicht über Vereinsverbote. Wenn es soweit ist, handeln wir», sagt er. Ein Verbot der Bandidos oder anderer Rockergruppen insgesamt sei allerdings nicht möglich. «Es gibt keine Dachorganisation, die man verbieten könnte. Daher können nur einzelne Chapter verboten werden», sagt der Minister.

27.04.2012 dv