Körperverletzung oder Mord? – Urteil verschoben

Wiesbaden (dapd-hes). Ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod eines 18-Jährigen und mehr als fünf Monaten Prozessdauer hat das Landgericht Wiesbaden das für Freitag erwartete Urteil verschoben. Es soll nun am 9. Januar fallen. Die Anwälte der beiden 17 und 32 Jahre alten Angeklagten plädierten am vorletzten Prozesstag auf eine Verurteilung ihrer Mandanten wegen Körperverletzung. Für beide Männer hatte die Staatsanwaltschaft am Montag hohe Haftstrafen wegen Mordes gefordert.

Beide Angeklagten hatten eingeräumt, den jungen Mann im November 2010 vor dem Wiesbadener Kulturzentrum Schlachthof mit Schlägen und Tritten misshandelt zu haben. Demnach begann die Auseinandersetzung am Abend des 19. November, als der jüngere Beschuldigte auf den Ex-Freund seiner Freundin traf. Er habe sein Opfer geschubst und geschlagen, gestand der Jugendliche. Unstrittig ist auch, dass sich erst dann der damals 31-Jährige in den Streit einmischte. Das Opfer ging zu Boden, bekam brutale Tritte gegen den Kopf und starb später im Krankenhaus an einem Schlagaderriss.

Staatsanwalt geht von gemeinsamem Mord aus
Die Staatsanwaltschaft geht bei beiden Tätern von Tötungsabsicht aus. Für den 17-Jährigen beantragte sie wegen Mordes achteinhalb Jahre Haft, für den unter anderem wegen Vergewaltigung vorbestraften 32-Jährigen lebenslänglich plus Sicherungsverwahrung. Die Anwälte der Nebenkläger, der Stiefmutter und des Onkels des Opfers, forderten für den Jugendlichen ein noch höheres Strafmaß: neuneinhalb und die Höchststrafe von zehn Jahren Haft.

Der Staatsanwalt hatte am Montag in seinem Plädoyer eingeräumt, dass aufgrund der stark voneinander abweichenden Aussagen der fast ausnahmslos jugendlichen Zeugen eine genaue Rekonstruktion der Tat unmöglich sei. Ob eine bestimmte, tödliche Gewalteinwirkung einem der Angeklagten direkt zuzuschreiben ist, könne offen bleiben, da in jedem Fall ein gemeinschaftlicher Mord begangen worden sei.

Zeugen als Täter?
Die Verteidigerin des 17-Jährigen sagte, die Zeugenaussagen seien eine Katastrophe“ gewesen. Nicht auszuschließen und sogar „sehr wahrscheinlich“ sei die Beteiligung weiterer Täter, argumentierte die Verteidigung, darunter auch Personen, die als Zeugen ausgesagt hätten. Hinweise darauf gab es im Verfahren.

Weil der Tathergang im Prozess nicht habe aufgeklärt werden können, plädierte die Verteidigerin des 17-Jährigen auf eine Verurteilung ihres Mandanten wegen Körperverletzung und beantragte eine Bewährungsstrafe. Für den 32-Jährigen forderte sein Anwalt eine „angemessene Strafe“ wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Die Nebenkläger reagierten entsetzt auf die Verschiebung des Urteils. Der Onkel des Opfers hatte am Montag erklärt, der Familie stehe ein „schlimmes Weihnachten“ bevor, wenn das Verfahren nicht im Dezember beendet werde.

17.12.2011 Ta