Kunstfreunde fallen auf Gauner rein

Diebstahl aus Grünem Gewölbe: Beutestück angeblich aufgetaucht

Im November 2019 brechen zwei Männer ins Historische Grüne Gewölbe Dresden ein und erbeuten Juwelen von Millionenwert. Von dem Schmuck fehlt noch jede Spur. Angebote gibt es zuweilen. 

Bis heute verschwunden: (oben v.li.) Hutverschluss des Diamantrosen-Sets, Bruststern des Polnischen Weißadlerordens, große Brustschleife, Aigrette für das Haar in Form einer Sonne und (unten v.li.) palettenförmiges Juwel, Juwel des Polnischen Weißadlerordens, Kette aus 177 sächsischen Perlen, Degen des Diamantrose-Sets, Epaulette des Diamantrosen-Sets, Aigrette für die Haare in Form eines Halbmonds.

Dresden (dpa) – Im Zusammenhang mit dem spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden 2019 ist ein mutmaßlicher Betrüger in Untersuchungshaft gekommen. Der Niederländer soll einem bekannten Kunstdetektiv gegenüber behauptet haben, dass ihm ein Stück der Beute angeboten wurde, dass es echt sei und er es «zum Zwecke der Rückführung» an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) kaufen will. Das teilte die Staatsanwaltschaft Dresden gestern mit. Der 54-Jährige gab sich dabei als Diamantenhändler aus Antwerpen aus. Mit dem Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens handelte es sich um einen prominenten Teil des Diebesguts.

Wie von ihm beabsichtigt, wandte sich der niederländische Kunstdetektiv laut Staatsanwaltschaft an den Berliner Anwalt, der sich im Auftrag der SKD und einer privaten Initiative von Kunstfreunden um die mögliche Rückgewinnung des Diebesguts bemüht. Da der renommierte Kunstdetektiv schon mehrfach erfolgreich an der Wiederbeschaffung gestohlener Kunstwerke beteiligt war und die Angaben des Beschuldigten auch aus polizeilicher Sicht zunächst plausibel klangen, stellte die Initiative die als Kaufpreis angegebenen 40.000 Euro zur Verfügung.

Mit 40.000 Euro auf und davon  
Bei einem Treffen am 27. Dezember 2021 mit Vertretern der SKD und dem Kunstdetektiv zeigte der Mann im längeren Gespräch laut Staatsanwaltschaft «außerordentlichen Kunstsachverstand». «Er hat das sehr geschickt gemacht», sagte ein Behördensprecher der Deutschen Presse-Agentur. Daher übergaben die SKD-Vertreter ihm das Geld zum Rückkauf, der über den Kunstdetektiv erfolgen sollte. Damit verschwand der Mann. Als entgegen seiner Beteuerungen nichts passierte, wurden Ermittlungen aufgenommen.

Die Identität des Niederländers konnte schnell geklärt werden, so die Staatsanwaltschaft. Der Mann sei in seiner Heimat «erheblich und einschlägig vorbestraft» und befand sich seit Anfang März 2022 in anderer Sache in Haft. Im Mai 2022 erließ das Amtsgericht Dresden einen Europäischen Haftbefehl. Nach Überstellung des Beschuldigten nach Deutschland wurde dieser vor einer Woche in Vollzug gesetzt. Der Beschuldigte hat sich laut Staatsanwaltschaft bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Ermittlungen dauern an «und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen».

Juwelen für über 113 Mio. Euro bis heute weg  
Bei dem Einbruch in das weltberühmte Schatzkammermuseum hatten die Täter 21 Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten im Wert von insgesamt über 113 Millionen Euro erbeutet. Zwei Männer waren am 25. November 2019 ins Dresdner Residenzschloss eingedrungen, hatten mit einer Axt Löcher in eine Vitrine geschlagen und die darin befestigten Juwelen herausgerissen. Ihr Verbleib ist bisher unbekannt.

Der Tatort: Hier war die Vitrine noch unbeschädigt.

Im Zuge der Ermittlungen wurden sechs Tatverdächtige gefasst, der Prozess wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung läuft seit Ende Januar am Landgericht Dresden. Die Deutschen zwischen 23 und 28 Jahren sind Mitglieder einer bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie – wie ein siebter Tatverdächtiger, der seit Mai in Untersuchungshaft sitzt.

Archivfotos: PD Dresden   (Bildbearbeitung: e110)

18.11.22 wel