Kupfer weckt Begehrlichkeiten

Rekordzahlen bei den Diebstählen des Edelmetalls

Berlin (dv). Kupferklau ist „in“. Der Grund liegt vor allem in der dramatischen Wertsteigerung des wegen seiner hervorragenden Eigenschaften als Wärme- und Stromleiter begehrten Edelmetalls. Während die meisten Industriemetalle in den letzten acht Wochen ohnehin deutlich zugelegt haben, schossen die Preise für Kupfer und Blei um 50 Prozentpunkte in die Höhe. In der Wirtschaft kostet das Kilo 4,60 bis 5,30 Euro.

Das ruft kriminelle Elemente auf den Plan. Sie klauen wie die Raben. Mal rücken sie mit schweren Gerät an und räumen richtig dick ab, mal schrauben sie eher „für den Hausgebrauch“. Auf alle Fälle richten Kupferdiebe im Augenblick riesige Schäden an. Hier einige Beispiele, wie das aussehen kann. Die Fälle datieren aus den vergangenen drei Wochen:

Tief aus der Grube, hoch vom Mast
Plattling: Zwei Tonnen Kupfer über Nacht weg. Die Täter schneiden den Maschendrahtzaun einer Firma auf und fahren mit einem LKW auf das Gelände. Insgesamt verladen sie 34 Kupferblechrollen im Wert von etwa 15 000 Euro.

Köln-Deutz: Am frühen Samstagmorgen des 24. Aprils wird gegen halb vier  von der Polizei ein 40-jähriger Tatverdächtiger festgenommen, nachdem er versucht hat, Kupfer aus einer Baugrube in Köln-Deutz zu stehlen. Er hatte sich auch schon ans Werk gemacht. Als die Beamten ihn aus der Grube bitten, ist er froh, dass er noch nicht zu viel Maloche ins Werk gesteckt hat: Na, ein Glück, dass ich nichts eingepackt habe.“

Warburg/Meerhof: Nachts beginnt das Biegen und Brechen der Schlösser an Scheunentoren, Pumpenhäuschen und zuletzt an den rund 80 Meter hohen Windrädern im Windpark Meerhof. Eine lebensgefährliche Beutetour am Windrad Nummer 81 der WKN Windkraft Nord. Die Beute: 720 Meter Kupferkabel. Das ist bereits die zweite Windräder-Einbruch-Serie binnen fünf Wochen im Meerhofer Windpark.

Glambeck: Die Kupferrohre sind verloren. Da macht sich Familie Christiansen aus Glambeck keine Illusionen. Diebe haben ihnen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion 15 Meter Fallrohre gestohlen. Alles fein säuberlich abmontiert und stillschweigend abtransportiert. Ohne dass jemand im Haus oder in der unmittelbaren Nachbarschaft etwas davon mitbekommen hat. Ganz schön dreist, findet die Familie, die den Vorfall natürlich der Polizei gemeldet hat. Unabhängig davon machen sich Vater, Tochter und Enkeltochter nur einen Tag nach der Tat auf den Weg und suchen auf eigene Faust Ausschau nach ihren Kupferrohren. Auf einem Schrottplatz unweit von Oranienburg glauben sie auch, fündig geworden zu sein. Der Nachweis ist allerdings kaum möglich. Zum einen wird derartiges Diebesgut in der Regel so bearbeitet, dass ihm kaum noch der ursprüngliche Verwendungszweck anzusehen ist, zum anderen sind Schrotthändler nicht verpflichtet, nach der Herkunft der Buntmetalle zu fragen beziehungsweise die Personalien des Verkäufers zu vermerken.

Ein Ende des Kupferklau-Booms ist nicht abzusehen. Es sei denn, dass sich in näherer Zukunft Analysen seriöser Marktbeobachter bewahrheiten, die sagen, dass die „Kupferblase“ bald platzen könnte. So sagt Eugen Weinberg, Chef-Rohstoffanalyst bei der Commerzbank: „Wir sehen exemplarisch am Kupfermarkt, warum wir aus fundamentaler Sicht die Rallye als verfrüht erachten. Die Preise werden sich auf diesem Niveau nicht halten.“

10.05.2010 dv