Lebenslang für Melanies Mörder! Applaus im Gerichtssaal

Hildesheim (dapd). Der Mörder der 23-jährigen Melanie aus Peine muss lebenslang in Haft. Das Landgericht Hildesheim verurteilte den 27-Jährigen und stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte Melanie Ende Oktober 2010 bei einem Treffen, das zuvor im Internet verabredet worden war, umgebracht hat. Damit folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte zuvor auf Totschlag plädiert.

«So viel emotionale Kälte erlebt man selten», sagte Richter Ulrich Pohl bei der Urteilsverkündung. In dem voll besetzten Zuschauerraum brach spontan Applaus aus, als der Richter die lebenslange Haftstrafe verkündete. Er machte klar, dass der Angeklagte ausgesprochen gefährlich sei. Eine Entlassung des Mannes auch in lang absehbarer Zeit, dürfe es nicht geben, sagte der Richter.

Verabredung im Internet
Der 27-Jährige hatte in dem Prozess gestanden, Melanie getötet zu haben. Er hatte sein Opfer mit Messerstichen in Hals und Oberkörper umgebracht. Im Internet hatte er unter dem Namen Sarah“ Kontakt aufgenommen.

Bei dem Treffen verweigerte die 23-Jährige dem Täter den Geschlechtsverkehr, was ihn schließlich zur Tat getrieben hat. Der Mann verging sich am leblosen Körper der Frau, steckte die Leiche anschließend in eine Mülltonne und versteckte sie in einem Wald.

„Schäbiges Verhalten gegenüber Frauen“
Pohl bezeichnete den 27-Jährigen als «notorischen Lügner». Man könne durchaus darüber spekulieren, «ob nicht alles noch viel schlimmer war», sagte der Richter. Auch aus der umfangreichen Vorgeschichte des Mannes gehe seine hohe kriminelle Energie und sein «schäbiges Verhalten gegenüber Frauen» hervor, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung.

In früheren Beziehungen hatte er bis zu neunmal am Tag Geschlechtsverkehr gefordert und die Frauen bedrängt. Während Trennungsversuchen tötete er mehrmals die Fische der Freundinnen und vergiftete einen Hund einer seiner ehemaligen Lebenspartnerinnen mit Spülmaschinenmittel. Auch vor der Manipulation eines Autos und folgenreicher Verleumdung seiner ehemaligen Partnerin sei er nicht zurückgeschreckt, schilderte Pohl.

Der Richter äußerte zudem Zweifel an dem Geständnis des Angeklagten. Pohl sah es etwa als absolut lebensfremd an, dass Melanie nicht versucht haben soll zu flüchten, als sie den Ernst der Lage erkannte. Abschnitte des Teilgeständnisses seien «erstunken und erlogen», sagte der Richter. Auch die Aussage, dass er bei dem Mord seine ganze Wut darüber ausgelassen habe, dass er seinen Sohn nicht sehen durfte, sah die Kammer als unwahrscheinlich an.

Die volle Schuldfähigkeit sei durch Gutachten deutlich belegt, machte Pohl klar. Zwar habe der Angeklagte eine narzistische Persönlichkeitsstörung, diese habe aber keinen Einfluss auf seine Schuldfähigkeit. Der 27-Jährige zeigte sich auch bei der Urteilsverkündung völlig emotionslos.

29.03.2011 dv