Mädchen (15) im Park erstochen – 17-jähriger Ex-Freund stellt sich der Polizei

17-jähriger Ex-Freund stellt sich der Polizei

Ein Mädchen wird niedergestochen – mitten am Tag in einem Park am Niederrhein. Nach dem tödlichen Messerangriff führen erste Zeugenaussagen die Ermittler auf eine falsche Spur. Dann stellt sich ein Jugendlicher der Polizei – der Ex-Freund des Opfers.

Kripobeamte beginnen mit der Spurensuche am Tatort.

VON ELKE SILBERER  (dpa)
Einen Tag nach der Messerattacke von Viersen hat sich der 17 Jahre alte Ex-Freund des getöteten Mädchens der Polizei gestellt. Der Bulgare, der auch in Viersen wohnt, wurde festgenommen. Der Druck war wohl zu hoch. Der junge Mann kam mit seiner Anwältin zu einer Polizeiwache in Mönchengladbach. Die Ermittler verdächtigen ihn, die 15-Jährige gestern Mittag in einem Viersener Park erstochen zu haben.

Der Jugendliche und das Mädchen kannten sich – das steht den Angaben zufolge fest. Die Festnahme ist der vorläufige Schlusspunkt nach 24 erschütternden Stunden mit einigen Wendungen. Zu den Tatvorwürfen macht der Jugendliche bislang keine Angaben.

Falscher Verdacht gegen 25-Jährigen 
Zuvor hatten die Ermittler einen 25-jährigen Mann auf freien Fuß gesetzt, der unter falschen Verdacht geraten war. Die Angaben von Zeugen waren zweifelhaft und hatten die Ermittler zunächst in die falsche Richtung geführt.

In den sozialen Medien waberte in der Zwischenzeit derweil ein so dichter Nebel aus Spekulationen und Gerüchten, dass Polizei und Staatsanwaltschaft zu Besonnenheit aufriefen: «Wir bitten darum, davon Abstand zu nehmen.» Auch Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller betonte, angesichts des furchtbaren Geschehens sei kein Platz für Hass und pauschale Verurteilung ganzer Bevölkerungsgruppen.

Jeder will was gesehen haben 
Das Opfer: ein Teenager. Die Bilder auf der Facebook-Seite zeigen ein Mädchen mit langen Haaren und fröhlicher Ausstrahlung. Die 15-Jährige wurde in dem Viersener Park mit einem Messer attackiert, sie starb kurz danach im Krankenhaus.

Der Park mit alten Bäumen, Bänken und einer Boule-Bahn liegt mitten in der Stadt am Niederrhein. Er ist beliebt und auch belebt. Die Tat selbst hat anscheinend zwar niemand beobachtet, aber mittelbar will eine Reihe von Zeugen etwas mitbekommen haben, wie die Staatsanwaltschaft erklärte. Einige davon haben Stunden nach der Tat bereitwillig davon erzählt. Aber was kann man glauben?

Täterbeschreibung völlig falsch 
Zentrale Aussagen hielten die Ermittler heute für zweifelhaft.  Beispielsweise die  Täterbeschreibung. Die Polizei hatte zunächst konkret nach einem Mann mit nordafrikanischem Aussehen gefahndet. «Wer diese Personenbeschreibung abgegeben hat, weiß ich nicht. Aber es dürfte sich nicht um den Täter handeln», sagt Staatsanwalt Lingens am Tag danach.

Bei einem 25-Jährigen schöpften Beamte allerdings Verdacht. Als die Polizei ihn kontrollieren wollte, ergriff er die Flucht, stellte sich danach aber der Behörde. «Der hatte aus einem völlig anderen Grund Angst vor der Kontrolle und ist deswegen laufen gegangen», erklärte eine Polizeisprecherin.

Zunächst in falsche Richtungen ermittelt 
Alkohol dürfte bei den «Fehlinformationen» eine Rolle gespielt haben, heißt es. Diese Angaben hatten dazu geführt, dass in viele, zumeist falsche Richtungen ermittelt worden ist.

Auch wenn sich der 17-Jährige jetzt gestellt hat – für den Leiter der Mönchengladbacher Mordkommission, Ingo Thiel, und sein Team dürfte jetzt wohl entscheidend sein, ob und wie sich der junge Mann zu der Tat äußert.

Foto: David Young / dpa

12.06.18  wel
aktualisiert: 14.06.18  wel