Jäger (85) erschießt Nachbarn

Drei Tote in niedersächsischer Wohnsiedlung

In der Lüneburger Heide eskaliert ein Streit unter Nachbarn. Ein 85-Jähriger mit einer Jagdlizenz soll erst das benachbarte Ehepaar, dann sich selbst erschossen haben. Die Nachbarn sind fassungslos.

Ein Leichenwagen holt die Toten vom Tatort ab und bringt sie zur Gerichtsmedizin.

Von SOPHIA-CAROLINE KOSEL und LENNART STOCK  (dpa)
Kurz nach 12 Uhr gestern fallen in einer kleinen Wohnsiedlung in der niedersächsischen Gemeinde Bienenbüttel Schüsse. Schreie hallen von einem Grundstück – kurz darauf sind drei Menschen tot. «Wir gehen aktuell davon aus, dass hier Nachbarschaftsstreitigkeiten eskaliert sind», sagte der Sprecher der Polizeiinspektion Lüneburg, Kai Richter, gestern Abend. Nach ersten Erkenntnissen soll ein 85 Jahre alter Grundstückseigentümer seine Nachbarn – einen 62-Jährigen und dessen 61 Jahre alte Ehefrau – umgebracht haben. Danach soll er sich selbst getötet haben. Er soll mit Schusswaffen «hantiert» haben, sagte der Sprecher.

Anwohner in dem Wohngebiet in Bargdorf, einem Ortsteil von Bienenbüttel, hatten laut Polizei die Schüsse und Schreie gehört und die Beamten alarmiert. Diese rückte mit einem Großaufgebot an, darunter auch Spezialkräfte der Polizei aus Hamburg mit einem gepanzerten Fahrzeug sowie ein Spezialeinsatzkommando (SEK) aus Hannover. Die Einsatzkräfte sicherten die aneinander grenzenden Grundstücke und betraten die Wohngebäude.

SEK und MEK im Einsatz 
«Wir waren polizeilich recht schnell vor Ort, auch mit entsprechend spezialisierten Kräften», sagte Richter. Allerdings sei das Gelände sehr weitläufig. Die betroffenen Grundstücke seien mindestens 1.500 Quadratmeter groß, teils bewaldet und es gebe mehrere Gebäude. Die Beamten hätten sich zunächst orientieren müssen, hieß es.

Kräfte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) Lüneburg fanden dann auf einem der Grundstücke zunächst eine leblose Person. Da auf den 85-Jährigen als Jagdberechtigten mehrere Schusswaffen zugelassen waren, seien die Beamten mit einem hohen Maß an Umsicht vorgegangen, sagte Richter. Im Verlauf des Einsatzes wurden dann die beiden anderen Toten gefunden.

Anwohner in Sicherheit gebracht 
Anwohner der wenigen umliegenden Häuser, weniger als ein Dutzend, wurden laut Polizei in Sicherheit gebracht und kamen zwischenzeitlich in einer Notunterkunft der Feuerwehr unter. Bis zum Abend konnten sie wieder in ihre Häuser zurückkehren. Die Einheitsgemeinde Bienenbüttel im Landkreis Uelzen zählt rund 6.000 Einwohner. Der Ortsteil Bargdorf, in dem knapp 300 Menschen leben, liegt rund 15 Kilometer südlich von Lüneburg.

Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat liefen erst an, sagte der Polizeisprecher. Ob es gestern Vormittag Auseinandersetzungen oder Provokationen zwischen den Nachbarn gab, müsse erst noch ermittelt werden. «Wir haben drei tote Personen. Wie das kausal zusammenhängt, das werden die Ermittlungen ergeben», sagte Richter. Warum die Polizei von einem Streit ausging, blieb zunächst offen.

Tat wird rekonstruiert 
Noch am Abend begann die Tatort-Aufnahme. Die Gerichtsmedizin aus Hamburg rückte an. Techniker begannen mit der Spurensicherung. Die Experten sollen den Verlauf der Tat rekonstruieren, sagte Richter. Angaben dazu, ob Waffen gefunden wurden, machte die Polizei zunächst nicht.

Foto:  Philipp Schulze / dpa

11.06.22 wel