Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Bisher 13 Verurteilungen in NRW

Köln (dpa) – Im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hat es in Nordrhein-Westfalen mittlerweile 13 Verurteilungen gegeben. Insgesamt hätten in den vergangenen Jahren 15 «Kernverfahren» aus der Arbeit der speziellen Polizei-Ermittlungsgruppe «Berg» resultiert, sagte der Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW, Markus Hartmann, gestern in Köln. In 13 Fällen habe es bereits gerichtliche Entscheidungen gegeben. Dabei wurden insgesamt mehr als 80 Jahre Freiheitsstrafe verhängt. Zwei Angeklagte seien noch vor dem Urteilsspruch gestorben, so Hartmann.

Die «Besondere Aufbauorganisation Berg» (BAO Berg) der Kölner Polizei hatte 2019 begonnen, in einem weit verzweigten Missbrauchskomplex zu ermitteln. Im Haus eines Mannes aus Bergisch Gladbach bei Köln waren damals Unmengen kinderpornografischer Daten gefunden worden. Zudem stießen die Ermittler auf viele Kontakte zu Männern, die im Netz Videos und Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs austauschten. Nach und nach kam man immer mehr Verdächtigen auf die Spur  (e110 berichtete mehrfach).  Nun wird die «BAO Berg» aufgelöst.

Die Ermittlungsarbeit der Polizei zum Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hat nach Ansicht von Kerstin Claus, Mitglied im Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, grundsätzliche neue Erkenntnisse gebracht. Es sei gelungen, «auch Täternetzwerke sichtbar zu machen, also gesamtgesellschaftlich aufzuzeigen, dass diese Dimension so groß ist», sagte Claus heute im ZDF-Morgenmagazin. Damit werde ein Hinsehen gesellschaftlich ermöglicht, das es so vielleicht zuvor nicht gegeben habe.

Der nun stattfindende gesellschaftliche Prozess verändere auch etwas für heute erwachsene Betroffene, «weil das, was sie erlebt haben, erstmals so etwas wie eine Akzeptanz bekommt im Sinne des Hinsehens». Ziel müsse sein, Hilfsstrukturen für betroffene Kinder und Jugendliche, aber auch für erwachsen Gewordene auf- und auszubauen.

13.01.22 wel