Mord an Konditormeister

Täter spielt Katz und Maus

(„XY gelöst“ vom 30. Juni 2021)
Der Mord an einem Konditormeister zählt zu den ungewöhnlichsten Verbrechen, mit denen es die zuständige Mordkommission je zu tun hatte. Fast zwei Jahre lang fehlt von dem Mann jede Spur – doch dann kommt es zu einer spektakulären Wende.

XY-Szenenfoto

6. Januar 2005: Die Familie eines alleinlebenden, früheren Konditormeisters ist besorgt. Seit Tagen geht der 68-Jährige nicht mehr ans Telefon. Sein letztes Lebenszeichen: ein Telefonat drei Tage zuvor. Besonders rätselhaft: Immer wieder rufen Interessenten an, die das Haus des Rentners mieten wollen. Denn in einer großen Tageszeitung ist ein Inserat erschienen, in dem das Haus zu einem günstigen Preis angeboten wird.

Rätselhaftes Verschwinden
Die Polizei wird eingeschaltet und entdeckt im Obergeschoss des Hauses Blutspuren. Zudem schlägt ein Leichenspürhund an. Alles spricht dafür, dass der Vermisste Opfer einer Straftat geworden ist. Doch wer könnte dem 68-Jährigen etwas angetan haben?

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Die Kripo München ermittelt monatelang und stößt auf eine merkwürdige Geldtransaktion: Vom Konto des Konditormeisters wurden nach seinem Verschwinden 1.465 Euro an eine Frau in Oberfranken überwiesen. Später stellt sich heraus: Der Lebensgefährte der Frau hatte ein Jahr zuvor im Haus des Konditormeisters übernachtet. Hat er den 68-Jährigen umgebracht und dann die Überweisung in Auftrag gegeben?

Spur nach Italien
In seiner Vernehmung gibt der Tatverdächtige zu, etwas mit dem Tod des Vermissten zu tun zu haben – er habe die Leiche in Italien vergraben. Zwar widerruft der Mann sein Geständnis und auch von dem Toten fehlt weiter jede Spur, dennoch erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn – wegen Mordes.

Im Prozess – fast zwei Jahre nach dem Verschwinden des Konditormeisters – kommt es zur entscheidenden Wende: Der Angeklagte nennt den Ermittlern den Ablageort des Toten – einen Strand am Golf von Venedig. Das Spurenbild an der Leiche zeigt: Der 68-Jährige wurde durch „Gewalt gegen den Hals“ getötet.

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Perfider Plan
Das Gericht folgt der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, dass der Angeklagte sein Opfer nachts überrascht und ermordet hat. Das Ziel des spielsüchtigen Mannes: Er wollte das Haus des Konditormeisters zur Vermietung anbieten und von möglichst vielen Interessenten eine Kaution kassieren. Zudem überwies er 1.465 Euro an seine Lebensgefährtin, um das Geld beim Glücksspiel einzusetzen.

Das Urteil gegen den 56-Jährigen: lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung. Sein Opfer wird in München bestattet.

Kriminalpsychologin Lydia Benecke:
Der Täter hat eine lange Karriere als Verbrecher hinter sich – von Körperverletzung bis hin zu Raubstraftaten. Er saß schon viele Jahre im Gefängnis. Strafe hielt ihn in der Vergangenheit nicht davon ab, weitere Taten zu begehen. Die Leiche vergrub er in Italien am Strand, weil der Boden in München gefroren war und er den italienischen Urlaubsort gut kannte.