Mord ohne Leiche

Der Fall Georgine Krüger

(„XY gelöst“ vom 30. Juni 2021)
Die 14-jährige Georgine Krüger aus Berlin liebt Bollywood-Filme und hat einen großen Traum: Sie will Schauspielerin werden. Eine erste kleine Rolle beim Film ist zum Greifen nah – doch dann verschwindet das Mädchen spurlos. Am Ende werden die schlimmsten Befürchtungen wahr.

XY-Szenenfoto

 Montag, 25. September 2006. Nach der Schule fährt die 14-Jährige wie immer mit dem Bus nach Hause. Um 13.50 Uhr steigt sie aus – nur 200 Meter trennen sie von der heimischen Wohnung. Doch dort kommt sie nicht an. Die Familie benachrichtigt schließlich die Polizei – und die vermutet das Schlimmste: Ist Georgine einem Verbrechen zum Opfer gefallen?

 Suche ohne Erfolg
Die zuständigen Ermittler unternehmen alles, um die 14-Jährige zu finden. Sie suchen die Umgebung akribisch ab – Parkanlagen, Straßen, Häuser. Doch das Mädchen bleibt verschwunden. Nach drei Jahren entscheidet sich die Polizei, eine neue Methode einzusetzen: sogenannte Mantrailer-Hunde. Sie führen die Ermittler etwa 30 Kilometer außerhalb von Berlin zum Schloss Dammsmühle – einem 28 Hektar großen Gelände. Wieder finden umfangreiche Suchmaßnahmen statt – erneut ohne Erfolg.

XY-Szenenfoto

Dann bringt eine kleine Begebenheit die Ermittler auf eine neue Spur. Im Jahr 2009 soll sich ein Mann aus der näheren Umgebung von Georgine Krügers Wohnhaus zwei kleinen Mädchen auf der Straße genähert und unsittliche Fragen gestellt haben. Die Polizei erfährt davon – doch eine Anzeige gibt es nicht.

 Endlich ein Tatverdächtiger
2016 gerät derselbe Mann wieder in den Fokus. Ein weiteres Mädchen behauptet, es sei von ihm unter einem Vorwand in den Keller gelockt und dort angegriffen worden. Die polizeiliche Anzeige über die versuchte Vergewaltigung landet schließlich auf dem Tisch der Mordermittler.

Diese entscheiden sich, verdeckte Ermittler einzusetzen. Sie hoffen, so an ein Geständnis des Tatverdächtigen zu kommen. Und tatsächlich: Den verdeckten Ermittlern gelingt es, das Vertrauen des Mannes zu gewinnen. Einer der Polizisten schaut zusammen mit dem Verdächtigen sogar die „Aktenzeichen XY-Spezial“-Sendung „Wo ist mein Kind?“ an. Darin wird der der Fall Georgine Krüger vorgestellt. Doch auch danach bleibt es nur bei Andeutungen.

Der Mordauftrag
Schließlich behauptet einer der verdeckten Ermittler, eine Bekannte loswerden zu müssen. Der Verdächtige bietet seine Hilfe an: Gegen eine entsprechende Bezahlung könne er dafür sorgen, dass die Dame verschwindet. Er erzählt dem Polizisten, dass er auch für das Verschwinden von Georgine Krüger verantwortlich sei. Laut seinen Schilderungen habe er das Mädchen damals unter einem Vorwand in seinen Keller gelockt, dort bewusstlos geschlagen und vergewaltigt. Die Leiche habe er erst gut versteckt und dann im Hausmüll entsorgt. Damit sind die Ermittler am Ziel.

XY-Szenenfoto

Zwölf Jahre nach dem Verschwinden von Georgine Krüger wird im Dezember 2018 der Verdächtige festgenommen. Es kommt zum Gerichtsprozess, doch der Mann schweigt beharrlich. Nach einem langen Indizienprozess kommt es im März 2020 zum Schuldspruch. Das Urteil: lebenslänglich – wegen Mordes in Tateinheit mit Vergewaltigung. Die Leiche von Georgine Krüger wird nie gefunden.

Kriminalpsychologin Lydia Benecke:
Der Täter war ein Familienvater, dem die meisten in seiner Umgebung eine solche Tat nicht zugetraut haben. Dem Verurteilten ging es bei der Tat vermutlich in erster Linie um Sex und Macht. Danach tötete er das Mädchen – wohl um die Vergewaltigung zu vertuschen.