Mord wegen 80 Euro

Gelöst: Der Fall Kramer

(XY-Gelöst vom 28. November 2018)
Dieser Fall schien für die Kripo zunächst unlösbar zu sein. Keiner hat den Täter gesehen. Und keine Spuren hat der Täter hinterlassen. Ein Menschenleben – so hat es den Anschein – bedeutet ihm wohl so gut wie nichts. 80 Euro erbeutet er. Und die kosten eine Frau aus Hannover das Leben…

Der brutale Täter erbeutet das Portemonnaie seines Opfers.

Am 5. Februar 2007 sitzt das Rentner-Ehepaar Kramer beim Abendbrot und spielt Kniffel. Die beiden wohnen in Sehnde bei Hannover, im Nebenhaus ihrer ehemaligen Bäckerei. Plötzlich klingelt es an der Haustür. Als Katharina Kramer die Tür öffnet, sieht sie sich einem fremden Mann mit erhobener Rohrzange gegenüber. Der brutale Eindringling fackelt nicht lange und schlägt die wehrlose, alte Frau nieder. Als ihr Ehemann den Tumult im Flur bemerkt und ihr zu Hilfe eilen will, wird auch er – noch bevor er die Situation richtig erfassen kann – niedergestreckt. Der Täter greift sich ein Portemonnaie, das im Flur liegt. Er flüchtet mit dem Inhalt – gerade mal 80 Euro.

Der Rettungsdienst bringt den verletzten Rentner ins Krankenhaus. Inzwischen beginnt die Kripo mit den Ermittlungen.

Fürchterliche Tragödie
Als Paul Kramer wieder zu sich kommt, ruft er sofort nach Hilfe. Doch für seine Frau ist es schon zu spät. Sie ist tot. Auch der herzkranke Paul Kramer wird sich von diesem Überfall nicht mehr richtig erholen. Er stirbt ein Jahr später. Eine fürchterliche Tragödie für die Tochter der Kramers. Und für die Kripo eine harte Nuss. Denn keiner hat den Täter gesehen. Und am Tatort gibt es keine Spuren.

Als der Fall eigentlich ausermittelt ist, versuchen die Beamten noch eine letzte Möglichkeit: Die Veröffentlichung bei «Aktenzeichen XY… ungelöst». Am 10. Dezember 2008 läuft die filmische Rekonstruktion der Tat verbunden mit einem Aufruf nach Zeugen über die Bildschirme.

Kommissar Zufall hilft
Und tatsächlich gibt es einen Zuschauer, der etwas sagen kann: Am 27. Januar 2009 meldet sich aus der JVA in Kiel ein Insasse. Er berichtet, dass er mit einem Obdachlosen zusammen im Zug nach Hamburg saß. Dieser habe ihm eine Tat gestanden, die dem Fall bei «Aktenzeichen XY» sehr ähnlich zu sein schien. Leider kann der Hinweisgeber keinen Namen nennen.

Der Schaffner erwischt zwei Schwarzfahrer. Er ahnt nicht, dass einer der beiden ein schweres Verbrechen begangen hat.

Doch die Fahrgäste sind im Zug kontrolliert worden. Da beide keine Fahrscheine hatten, wurden die Personalien vom Schaffner aufgenommen. Und mit diesen Angaben gelingt es den Beamten schließlich, den Beschuldigten zu ermitteln. Kommissar Zufall tut ein Übriges. Denn der Mann sitzt zu diesem Zeitpunkt im Knast. Aufgrund der belastenden Aussage des Zeugen gesteht der Mann die Tat. Er ist am 8. Juli 2009, also knapp zweieinhalb Jahre nach der Tat, zu lebenslanger Haft verurteilt worden.