Mysteriöse Briefe: Hinweise auf gefangenes Mädchen falsch gedeutet?

Attendorn (dpa) – Im Fall eines jahrelang gefangengehaltenen Mädchens in Attendorn (Sauerland) hat das Jugendamt nach dpa-Informationen im Herbst 2020 erstmals einen mysteriösen Brief erhalten, der auf das heute achtjährige Kind hinwies: Der Text war aus ausgeschnittenen Buchstaben zusammengesetzt und aus Sicht des Mädchens geschrieben. Es folgten weitere anonyme Schreiben. Aber erst zwei Jahre später wurde das Kind befreit  (e110 berichtete).

Der zuständige Kreis Olpe hatte vor wenigen Tagen bereits Defizite im Zusammenhang mit dem Fall eingeräumt. Interne Unterlagen der Ermittler verdeutlichen nach dpa-Informationen, was damit gemeint war: So folgte sechs Wochen nach dem ersten Brief ein zweiter. Im Herbst 2021 gab es eine weitere Meldung beim Jugendamt mit konkreten Hinweisen. Erstmals wurde nach dpa-Informationen nun die Polizei vom Amt informiert. Die fühlte sich noch nicht zuständig und hörte danach nichts mehr vom Jugendamt.

Erst fast zwei Jahre nach dem ersten Brief kam durch den Hinweis eines Ehepaars erneut Bewegung in den Fall. Die italienischen Behörden teilten auf Nachfrage mit, dass Mutter und Tochter dort nicht leben – obwohl sie angeblich 2015 ausgewandert waren. Das Jugendamt kontaktierte die Polizei erneut, zehn Tage später wurde die Achtjährige Ende September befreit.

Ermittelt wird inzwischen gegen die Mutter und die Großeltern. Aber auch das Jugendamt ist im Visier der Staatsanwaltschaft – wegen des Anfangsverdachts der Freiheitsberaubung und Körperverletzung im Amt durch Unterlassen. Nach dpa-Informationen wurden Akten im Amt beschlagnahmt.

17.11.22 wel