Nicht nur gefälscht, auch gefährlich

Plagiate im Maschinenbau weisen oft gravierende Mängel auf

Produktpiraterie bereitet auch den deutschen Maschinenbauern zunehmend Sorge. Ein Land fällt wie zu erwarten besonders negativ auf. Gefälscht wird alles, was Geld bringt. 

Echte Kettensägen der bekannten Firma Stihl und Fälschungen sind in einer Ausstellung zu Gefahren bei gefälschten Produkten zu sehen.

Frankfurt/Main (dpa) – Deutschlands Maschinenbauer beklagen wachsende Schäden durch Produkt- und Markenpiraterie. Nach Angaben des Branchenverbands VDMA liegt das Volumen inzwischen bei geschätzt 7,6 Milliarden Euro jährlich – vor zwei Jahren waren es noch 7,3 Milliarden Euro. Ein Umsatz in dieser Höhe würde im Maschinenbau umgerechnet knapp 35.000 Arbeitsplätze bedeuten, erläutert der VDMA.

Der VDMA befragt alle zwei Jahre seine Mitgliedsfirmen zum Thema Fälschungen. Aktuell gaben 74 Prozent (2018: 71 Prozent) der befragten Unternehmen an, von Produktpiraterie betroffen zu sein. Bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern waren es sogar 90 Prozent. Beides sind den Angaben zufolge Höchstwerte.

Gefahren für Bediener 
«Erschreckend dabei ist, dass 57 Prozent der Unternehmen von Fälschungen berichten, die eine Gefahr für die Anlage darstellen», sagt VDMA-Experte Steffen Zimmermann. «Der Betrieb von gefälschten Maschinen oder Anlagen mit gefälschten Komponenten kann eine echte Gefahr für den Bediener bedeuten.» Der VDMA mahnt, die Unternehmen sollten darauf achten, dass sich keine Fälschungen einschlichen. Auch weil Ausfälle der Anlage oder Reklamationen von Kunden Folgekosten und Imageschäden verursachen könnten.

Besonders stark blüht der Handel mit gefälschten Maschinen und Komponenten in China. Die befragten Unternehmen nannten die Volksrepublik erneut als wichtigstes Vertriebsland für Plagiate (61 Prozent), gefolgt von Deutschland mit 19 Prozent. Auf dem dritten Platz rangiert erstmals Russland mit 12 Prozent.

Wettbewerber und Kunden kopieren Produkte
Als Auftraggeber für Plagiate nannten die meisten Maschinenbauer Wettbewerber (72 Prozent). Aber auch Geschäftspartner wie Kunden, Zulieferer oder Joint-Venture-Partner (41 Prozent) sind aktiv. Am häufigsten werden demnach einzelne Teile gefälscht (64 Prozent), gefolgt von Designplagiaten (60 Prozent), aber auch vor ganzen Maschinen (40 Prozent) schrecken Produktpiraten nicht zurück.

Befragt wurden 146 Mitgliedsfirmen (2018: 136) von Anfang Februar bis Anfang März und damit vor Ausbruch der «Corona»-Pandemie in Europa.

Archivfoto:  Jens Büttner / dpa

19.05.20 wel