Passfälscher haben Hochkonjunktur – Polizei geht gegen falsche Identitäten vor

Die Polizei will weiter gezielt gegen nachgemachte Dokumente vorgehen. Dies ist künftig ein Schwerpunkt von Großaktionen. Mit dabei sind besonders geschulte Fachleute. Fälschungen nehmen zu.

Syrische Pässe im Scanner unter UV-Licht: Sicherheitsmerkmale werden hier sichtbar, sofern die Pässe welche haben.

Stuttgart (dpa) – Gefälschte Führerscheine, Reisepässe oder Personalausweise – das Geschäft mit den Fälschungen boomt. Das baden-württembergische Innenministerium plant in den nächsten Monaten weitere Großkontrollen, bei denen unter anderem ein Schwerpunkt auf der Überprüfung der Echtheit von Dokumenten liegt, teilte ein Sprecher in Stuttgart mit.

Die Polizei habe die Kriminalität im öffentlichen Raum im Blick und dazu gehöre auch der Identitätsbetrug. Der Sprecher verwies auf eine Aktion Ende April unter anderem in Mannheim und auf einer Raststätte an der A 6 bei Hockenheim. Dabei wurden unter anderem 16 falsche Ausweise und sechs falsche Führerscheine sichergestellt.

4000 Euro für einen gefälschten Pass 
Im Südwesten werden laut Mitteilung immer mehr falsche Ausweispapiere entdeckt. Die Tendenz sei auch im vergangenen Jahr steigend gewesen. Aktuelle Zahlen für 2017 lagen aber noch nicht vor. Im Jahr 2016 wurden 2.250 Fälle gezählt, wie das Landeskriminalamt mitteilt. 2015 waren es noch 1.800 Fälle, das Jahr zuvor 1.600 Fälle.

«Vor alllem EU-Pässe sind beliebt», sagt der LKA-Sachverständige Rolf Fauser, der mit seinen Kollegen täglich Dutzende falsche Dokumente genauer unter die Lupe nimmt. Sie werden zumeist über das Internet verkauft. Ein nachgemachter Personalausweise sei ab 300 Euro zu bekommen und ein Pass koste bis zu 4.000 Euro.

Prüfung mit UV-Licht 
Zahlreiche falsche Ausweispapiere kommen aus Osteuropa, beispielsweise aus Bulgarien oder Rumänien. «Viele Fälschungen sind mit dem bloßen Auge nicht erkennbar,» so Fauser. Deshalb komme ein Spezialgerät zum Einsatz. Dieses durchleuchte mit Hilfe von UV-Licht das Dokument. Dadurch werden bestimmte Fasern sichtbar. Papierdokumente sind schwieriger zu fälschen. Sie enthalten neben einem Wasserzeichen gleichfalls Melierfasern, die unterschiedliche Eigenschaften und Farben aufwiesen. Leichter nachzumachen sind hingegen Plastikkarten.

Oftmals müssen die Experten auch Dokumente von Flüchtlingen überprüfen, darunter neben Pässen auch Geburts- oder Heiratsurkunden. Denn das «A und O» bei der Prüfung eines Asylantrags ist, die Identität der Migranten festzustellen.

Foto:  Sebastian Gollnow / dpa

09.07.18  wel