Polizist schießt auf Kranken

Beamte können Randalierer nicht beruhigen

Berlin (dpa/bb). Ein Polizist hat mit seiner Dienstwaffe einem randalierenden Mann in Berlin-Lankwitz ins Bein geschossen. Die Beamten wurden gestern zu einer Adresse gerufen, weil dort ein Mann Passanten mit einem langen Messer bedrohte, wie Polizeisprecher Stefan Redlich sagte. Vier Polizisten hätten den Angreifer nicht beruhigen können. Der Mann, der etwa 30 Jahre alt sein soll, bedrohte sie Redlich zufolge schon, als sie noch im Wagen saßen und griff sie an. Der Versuch, ihn mit Pfefferspray zu überwältigen, scheiterte. Schließlich schoss einer der Polizisten dem Mann ins Bein. Er kam verletzt in ein Krankenhaus.

Was zuvor passiert ist, und warum die Situation schließlich so eskalierte, ist noch nicht vollständig geklärt. Der Mann sei nach bisherigen Erkenntnissen Bewohner eines sogenannten Übergangswohnheims, sagte Redlich. Dort leben laut Webseite des Heims Menschen, die an einer Psychose erkrankt sind oder unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leiden.

Waffeneinsatz häufig Anlass für Diskussionen
Nach ersten Erkenntnissen hat der Mann auch eine Autofahrerin mit dem Messer bedroht. Als diese daraufhin fliehen wollte, fuhr sie ihn um. Schon dabei habe er sich offenbar verletzt, sagte Redlich. Als die Polizisten angekommen seien, sei die Lage so bedrohlich gewesen, dass zwei der Beamten gar nicht erst aus dem Auto ausgestiegen seien. Eine Mordkommission war vor Ort und hat die Ermittlungen übernommen.

Wenn Polizisten zu ihrer Dienstwaffe greifen und schießen, löst das häufig eine Debatte um die Rechtmäßigkeit des Vorgehens aus. Zuletzt haben die tödlichen Schüsse eines Polizisten auf einen 31 Jahre alten Berliner im Neptunbrunnen für heftige Diskussionen gesorgt. Damals traf der Schuss des Beamten den Mann in die Lunge. 

Von 2003 bis 2012 wurden 19 Menschen durch Schüsse aus Polizeiwaffen verletzt, wie aus einer Antwort von Innensenator Frank Henkel (CDU) von Mitte Oktober auf eine Parlamentarische Anfrage hervorgeht. Sieben Menschen seien in diesem Zeitraum getötet worden. In dem Schreiben hieß es auch, dass der Umgang mit Menschen in akuten psychischen Ausnahmesituationen Teil von Lehre und Training bei der Polizei sei.

30.10.2013 Ta