Polizisten sollen LKA beklaut haben

Vier Beamte in Mecklenburg-Vorpommern festgenommen

Die Spuren führen ins «Prepper»-Milieu: Drei SEK-Beamte sollen Munition des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern beiseite geschafft haben. Ein Vierter im Bunde, so der Vorwurf der Ermittler, gab sie jemandem mit Kontakt zur «Prepper»-Szene.

VON IRIS LEITHOLD  (dpa)
Polizisten sollen Munition des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern beiseite geschafft und sie einem Mann mit Kontakten in die «Prepper»-Szene überlassen haben: Drei ehemalige Mitglieder und ein aktiver Beamter des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Mecklenburg-Vorpommern sind deshalb gestern Morgen festgenommen worden. Gegen sie lagen Haftbefehle vor, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schwerin sagte.

Ermittelt wird wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz sowie wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Betrugs. Drei der Männer sollen von April 2012 an Munition aus den Beständen des Landeskriminalamts (LKA) beschafft haben. Diese hätten sie einem weiteren Beschuldigten mit Kontakt zur  «Prepper»-Szene  gegeben. «Prepper» bereiten sich mit Vorräten auf Krisen oder einen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung vor – manche kalkulieren den Einsatz von Waffen ein.

Polizisten beliefern «Prepper» 
Gestern Morgen wurden Wohnräume und Arbeitsplätze der Polizisten durchsucht. Bei einem der noch aktiven Polizisten, der Kontakte in die «Prepper»-Szene haben soll, wurde neben Munition auch eine Maschinenpistole gefunden. Sein Haftbefehl und der gegen einen zweiten Beschuldigten wurden heute vom Haftrichter bestätigt, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte. Beim Dritten sei die Haftvorführung unterbrochen und auf morgen vertagt worden. Beim vierten Festgenommenen sei der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden.

Drei der gestern Festgenommenen sollen Munition des Landeskriminalamts (LKA) beiseite geschafft haben – möglicherweise beim SEK-Training, bei dem viel geschossen wurde. Bei den Durchsuchungen gestern wurde eine fünfstellige Zahl von Kurz- und Langwaffenmunition gefunden. Dem Vernehmen nach stammt ein erheblicher Teil davon nicht aus Beständen des Landeskriminalamts.

Verschossene Munition wird künftig genauer registriert 
Bei Schießübungen der Spezialeinheiten soll künftig genauer geprüft werden, wie viele Schüsse abgegeben wurden. Dies werde gerade bei dynamischen Übungen – wie dem Schießen aus einem fahrenden Auto heraus – mit mehr Bürokratie einhergehen, sagte der Minister.

Die Durchsuchungen und Festnahmen stehen im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die «Prepper»-Gruppe «Nordkreuz» in Mecklenburg-Vorpommern, die seit Sommer 2017 beim Generalbundesanwalt laufen. Der Vorwurf: Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Festnahmen gab es nach einer Razzia im August 2017 nicht. Jedoch wurde ein Polizist vom Dienst suspendiert. Er ist es noch immer, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Schwerin sagte.

Siebenköfige Ermittlungsgruppe
Die Ermittler fanden seinerzeit in der Wohnung von einem der jetzt Beschuldigten – im Verfahren beim Generalbundesanwalt wird er als Zeuge geführt – erhebliche Mengen Waffen und Munition. Diese hatte er laut Staatsanwaltschaft unsachgemäß gelagert und war zu deren Besitz zum Teil auch nicht berechtigt.

«Der Generalbundesanwalt hatte die Ergebnisse seiner Durchsuchungsmaßnahmen und die damit im Zusammenhang stehenden weiteren Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Schwerin mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt, über die Einleitung eines eigenen Ermittlungsverfahrens zu entscheiden», erklärte die Sprecherin. Gemeinsam mit dem LKA habe man Ermittlungen aufgenommen. Das LKA habe dafür eine siebenköpfige Ermittlungsgruppe gebildet. Das Ergebnis sind die vier Festnahmen von gestern.

Foto:  Jens Büttner / dpa

13.06.19  wel