Prämien gegen Brandstifter?

Fast jede Nacht brennen Autos in Berlin

Fast jede Nacht muss die Feuerwehr in der Hauptstadt ausrücken, um brennende Autos zu löschen. Die Täter werden kaum gestellt. Was ist zu tun? Es gibt neue Vorschläge.

Ein ausgebranntes Auto in Kreuzberg. In Berlin brennen fast jede Nacht Autos.

Berlin (dpa) – Vergangene Nacht in Berlin-Lichtenberg: Der Lieferwagen einer Immobilienfirma geht in Flammen auf. Die Polizei ist schnell genug vor Ort, um die Flammen löschen zu können. Jetzt ermittelt der Staatsschutz wegen versuchter Brandstiftung und prüft, ob ein politisches Motiv vorliegt. In diesem Jahr brannten schon rund 320 Fahrzeuge, so eine Polizeisprecherin in Berlin. Etwa 190 seien direkt angezündet und etwa 130 durch übergreifende Flammen beschädigt oder zerstört worden. Beim überwiegenden Teil der Angriffe vermuten die Ermittler keine politischen Motive.

Indes hat die oppositionelle CDU in der Hauptstadt bis zu 1.000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zum Ergreifen sowie zur rechtskräftigen Verurteilung von Tätern führen. Die CDU wolle nicht zuschauen, wie die Stadt zum nächtlichen Spielplatz von Brandstiftern verkomme, erklärte Landesvorsitzender Kai Wegner. Die Anschläge gefährdeten auch Menschen. Wegner warf dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Innensenator Andreas Geisel (beide SPD) vor, zu schweigen und die Vorfälle damit zu tolerieren.

CDU-Vorschlag in der Kritik 
Die FDP-Opposition hält der CDU «schlichten Populismus» vor. Die Arbeit der Polizei werde durch den 1.000-Euro-Vorschlag abgewertet, sagt Marcel Luthe. Berlin brauche vielmehr personelle Verstärkung bei Polizei, Feuerwehr, Amts- und Staatsanwaltschaft und Gerichten.

Ende August hatte die Polizei die Ermittlungsgruppe «Nachtwache» ins Leben gerufen. Fünf Beamte des Landeskriminalamts sollen jetzt vor allem die Brandstiftungen an Autos aufklären. Angekündigt wurden auch verstärkte Polizeistreifen. Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte erklärt, die Ermittler arbeiteten sehr intensiv an den Fällen. Allein in einer Nacht brannten zwölf Autos, zehn davon rund um den Chamissoplatz in Kreuzberg. Laut Polizei wurden auch Fenster benachbarter Wohnungen beschädigt und Gebäude durch den Ruß verschmutzt. Eine Wohnung wurde unbewohnbar.

Meistens Vandalismus 
Seit Jahren gehen im Schutze der Dunkelheit in Berlin Privatautos, Firmenwagen und Transporter in Flammen auf. Die Zahl der Brandanschläge sank aber nach dem Jahr 2011, als ein Serien-Brandstifter gestellt wurde. Im gesamten Jahr 2018 registrierte die Polizei 446 brennende Wagen. Laut Polizeiangaben stieg im ersten Halbjahr die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Bei den Brandstiftungen ohne politischen Hintergrund nimmt die Polizei nach eigenen Angaben etwa reinen Vandalismus an, pyromanische Tendenzen, gezielte Racheaktionen im privaten Umfeld, Versicherungsbetrug und sogenannte Verdeckungsbrände. In einem solchen Fall soll mit einem Feuer eine andere Straftat verdeckt werden.

Foto:  Annette Riedl / dpa

16.08.19 wel