RAF-Rentner spurlos verschwunden

Hat die Stasi Ex-Terroristen noch mit Papieren versorgt?

Die Fahndung nach drei Ex-RAF-Terroristen wegen einer Überfallserie kommt nicht voran. Uneins sind sich die Ermittler, wie viele Taten dem Trio angelastet werden können. Haben sie andere Identitäten für ihr Leben im Untergrund erhalten?

Fahndungsfotos: links die Ex-Terroristen Burkhard Garweg und dahinter Ernst-Volker Staub am 2. Januar 2015 in einem Osnabrücker Bus, in der Mitte Ernst-Volker Staub und auf dem rechten Foto Ex-RAF-Terrorist Ernst-Volker-Staub, der am 7. Mai 2016 in Hildesheim vergeblich versucht, einen Geldboten zu überfallen.

Hannover (dpa) – Mehr als drei Jahre nach dem Start der öffentlichen Fahndung nach drei Ex-RAF-Terroristen wegen einer Überfallserie in Norddeutschland stehen die Ermittler mit leeren Händen dar. «Das Hauptproblem für die Strafverfolgung ist, dass wir nicht wissen, wo die drei Gesuchten sich aufhalten», sagt Oberstaatsanwalt Marcus Röske in Verden. Es gebe keine neue Spur zu den Ex-Terroristen  Ernst-Volker Staub (65)Burkhard Garweg (50)  und  Daniela Klette (61).  Die Ermittlungen zu allen Überfällen, die dem Trio angelastet werden, wird künftig die Staatsanwaltschaft Verden in einem Sammelverfahren führen.

Garweg, Klette und Staub gehören zur sogenannten dritten Generation der RAF. Auf ihr Konto sollen mehrere Morde gehen, so an Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991). Bislang waren die Fahnder von zwölf Überfällen ausgegangen, die die ehemaligen Mitglieder der Roten Armee Fraktion zum Bestreiten ihres Lebensunterhalts seit 1999 verübt haben sollen.

Geldbeschaffung durch Überfälle 
Bei der Bündelung der Verfahren im Januar hätten die örtlich zuständigen Staatsanwaltschaften jedoch in drei der zwölf Fälle keinen hinreichenden Verdacht auf das RAF-Trio gesehen, sagt Röske. Dem Vernehmen nach fallen die Überfälle auf Supermärkte in Celle (2011), Stade (2012) und Osnabrück (2015) aus der Liste der mutmaßlichen RAF-Überfälle heraus. Aus Sicht des Landeskriminalamts Niedersachsen sprechen aber weiterhin verschiedene Umstände dafür, dass das Trio auch für die drei genannten Überfälle verantwortlich ist. Ob ein Tatnachweis möglich ist, müssen die örtlichen Staatsanwaltschaften klären.

Nach Jahrzehnten im Untergrund waren die drei gesuchten Linksterroristen nach einem Raubüberfall auf einen Geldtransporter im Juni 2016 in Stuhr bei Bremen wieder ins Visier der Polizei geraten. Von den dreien wurden nach der Tat Fingerabdrücke gefunden. Gefahndet wurde im Anschluss in Norddeutschland, in den Niederlanden, wohin eine Spur wies, sowie in Spanien, Frankreich und Italien.

Stasi unterstützte Ex-RAF 
Eine Hypothese bei der Fahndung ist, dass die drei noch von der Staatssicherheit der DDR mit Papieren und anderen Identitäten ausgestattet worden sein könnten. Einen konkreten Anhaltspunkt gibt es dafür nicht. Die historischen Bezüge zwischen der Staatssicherheit und der RAF sind seit langem bekannt. Immerhin lebten zehn RAF-Mitglieder mit neuen Identitäten versehen bis zum Fall der Mauer unbehelligt in der DDR.

Fotos:  LKA Niedersachsen

09.04.19 wel