Randale vor der Bluttat

Mörder des Staatsanwalts war auffallend aggressiv

München/Augsburg (dapd). Der Todesschütze von Dachau hat sich bereits Stunden vor der Bluttat im Gerichtssaal auffällig verhalten. Laut «Augsburger Allgemeine» vom heutigen Freitag randalierte der 54-Jährige lautstark in einem benachbarten Restaurant und schimpfte über den zuständigen Richter.

«Er war sehr laut, poltrig, aggressiv», sagte die Leiterin des Restaurants der Zeitung. Der spätere Täter habe sich auf Krücken bewegt. Sie hätte ihm diese Tat nie zugetraut.

Der Transportunternehmer aus Dachau hatte sich am Mittwoch vor dem Dachauer Amtsgericht verantworten müssen, weil er Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt hatte. Während der Urteilsverkündung zog er eine Pistole und feuerte mindestens einen Schuss in Richtung des Richters ab, verfehlte diesen aber. Anschließend schoss er mindestens zweimal auf den Staatsanwalt. Der 31-Jährige starb etwa 40 Minuten nach den Schüssen in einem Krankenhaus.

Nach Angaben des bayerischen Justizministeriums war der Angeklagte während der Verhandlung «verbal aggressiv» und «gereizt». Es habe aber keine Anhaltspunkte gegeben, dass der Mann gewalttätig werden könne. Er sei zuvor auch in keine Strafprozesse verwickelt gewesen.

Blumen vor dem Gericht
Vor dem Gerichtsgebäude in Dachau, in dem sich die blutige Tat ereignet hatte, liegt ein Blumenstrauß mit weißen Blüten. Weite Sitzungen werden beim Amtsgericht Dachau in dieser Woche nicht abgehalten. Der Oberbürgermeister der Stadt, Peter Bürgel (CSU), bezeichnete es als «tragisch», dass ein junger Mensch bei Ausübung seines Berufs gestorben sei. «Da fehlen einem wirklich die Worte.»

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) drückte erneut ihre «tiefe Betroffenheit» und «Fassungslosigkeit» über die Tat aus. Auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigte sich betroffen über den gewaltsamen Tod des Staatsanwalts: «Ich bin über diese unfassbar brutale Tat entsetzt und schockiert.» Beide Politiker sprachen sich dagegen aus, aus Justizgebäuden Festungen zu machen. Merk erwägt dennoch schärfere Kontrollen.

Der 54-jährige Todesschütze war vor der Tat am Mittwoch nicht auf Waffen kontrolliert worden. In dem Gericht werden nur in Einzelfällen Stichprobenkontrollen angeordnet. In diesem Fall sei dies allerdings nicht geschehen, da es sich «aus justizieller Sicht um ein Routineverfahren» gehandelt habe, erklärte Merk.

Mehr Investitionen in die Sicherheit verlangt
Der Deutsche Richterbund forderte indes ein umfangreiches Sicherheitskonzept für jedes Gericht in Deutschland. «Für jedes einzelne Gerichtsgebäude muss es ein konkretes Sicherheitskonzept geben», sagt der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Christoph Frank. Dies könne in einem kleinen Gericht die Eingangskontrolle durch den Pförtner sein, bei größeren Gebäuden könne es auch eine Detektorenanlage sein.

Auch die Deutsche Justizgewerkschaft (DJG) verlangte mehr Investitionen in die Sicherheit deutscher Gerichtssäle. Das Hauptproblem sei die mangelnde finanzielle Unterstützung durch die Länder, kritisierte der stellvertretende DJG-Vorsitzende, Siegfried Rauhöft in Mannheim. Flächendeckende Einlasskontrollen bei den Gerichten und Staatsanwaltschaften seien dringend angebracht.

13.01.2012 dv