Razzia gegen «Ehestifter» – Heirat zum Schein soll Bleiberecht sichern

Gleich mehrere Banden sollen in Deutschland Scheinehen vermittelt haben. Nun ist die Bundespolizei dagegen vorgegangen. In einer Region wurde besonders häufig unter falschem Vorwand geheiratet.

Razzia gegen Scheinehen: Beamte der Bundespolizei bringen einen Mann zur Vernehmung.

Leipzig/Hamburg (dpa) – Mit einem Großaufgebot ist die Polizei in mehreren Bundesländern heute gegen Schleuser vorgegangen. Hintergrund der Durchsuchungen: Ermittlungen zu bandenmäßig organisierten Scheinehen. Durch die vorgetäuschten Eheschließungen hatten die Banden Menschen aus Asien einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland ermöglichen wollen. Die Staatsanwaltschaft in Leipzig ermittelt bereits seit Frühjahr 2017 in diesem Zusammenhang.

Die Beamten waren außer in Leipzig auch im sächsischen Eilenburg und in Hettstedt in Sachsen-Anhalt im Einsatz. Diese Orte gelten als Schwerpunkt der Aktion. Drei Hauptbeschuldigten wird vorgeworfen, mit gefälschten Heiratsurkunden – ausgestellt in Zypern – die Eheschließung von indischen und pakistanischen Staatsangehörigen mit überwiegend osteuropäischen Frauen organisiert zu haben. Mit diesen Papieren sollte ein Aufenthalt in Deutschland ermöglicht werden.

Vermittlungsgebühr: bis zu 22.000 Euro 
Bei erfolgreicher Vermittlung eines dauerhaften Bleiberechts sollen die drei Beschuldigten laut Bundespolizei jeweils eine Summe von bis zu 22.000 Euro verlangt haben. Bei den Razzien wurden  27 Wohnungen und Geschäftsräume in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen durchsucht. Bundesweit waren Hunderte Beamte beteiligt.

In Norddeutschland und auf der dänischen Ostseeinsel Ærø durchsuchten Bundespolizei und dänische Sicherheitskräfte wegen des Verdachts der Vermittlung von bis zu 1.000 Scheinehen zwölf Objekte. Allein in Hamburg sind sechs Wohnungen und ein Geschäftsraum durchsucht worden, teilte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion in Hannover mit. Weitere Durchsuchungen fanden in Bremerhaven, auf Sylt sowie auf Ærø statt. Ziel war, Beweismaterial sicherzustellen. Festgenommen wurde niemand.

Auch fünf Deutsche unter Verdacht 
Bei den Razzien in Norddeutschland gelten fünf deutsche Staatsbürger – vier davon mit Migrationshintergrund – als tatverdächtig. Sie sollen in EU-Ländern Menschen gesucht haben, die ihren Wohnsitz in Deutschland hatten und dann zum Schein Menschen aus Asien heirateten. Die Eheschließungen haben überwiegend auf Ærø stattgefunden, weil es dort für Ausländer angeblich unkomplizierter ist. Es sind aber auch Eheschließungen in den USA erfolgt, wobei in manchen Fällen keiner der Partner anwesend sein musste.

In den vergangenen zwei Jahren dürfte die Bande etwa 1.000 Scheinehen vermittelt haben. Für jede Eheschließung in Dänemark hatten die Vermittler etwa 1000 Euro Provision kassiert. Rein rechnerisch geht es also um eine Größenordnung von etwa einer Million Euro.

Foto:  Sebastian Willnow / dpa

13.06.18  wel