Betrug mit Bitcoins

Staatsanwalt warnt vor Geldanlagen

Eine Schadenshöhe von mehr als 100 Millionen Euro – das klingt schier unglaublich. Und selbst das scheint nur die Spitze des Eisbergs von Betrugsfällen mit sogenannten Kryptowährungen zu sein.

Bitcoin ist eine Form von virtuellem Geld, das in Computernetzen verwaltet wird. Bitcoin-Freunde träumen von der Währung der Zukunft und von weiteren Wertsteigerungen. Doch Kritiker warnen vor einer gigantischen Finanzblase.

VON JOACHIM MANGLER  (dpa)
Nach Bekanntwerden eines Betrugsfalls mit der Kryptowährung »Bitcoin« und einem Schaden von mindestens 100 Millionen Euro hat die Staatsanwaltschaft Rostock vor dem leichtfertigen Umgang mit vermeintlich lukrativen Anlageformen im Internet gewarnt. Zwar gebe es legale Vermittler von Kryptowährungen oder binären Optionen, sagt Behördensprecher Harald Nowack. «Aber es ist und bleibt ein Spiel mit hochriskanten Anlagen.»

Das Geld könne auch bei legalen Anbietern weg sein – und dann gebe es zusätzlich die «schwarzen Schafe», die das Geld erst gar nicht anlegten. Bei diesen Anlagen spekulierten die Menschen auf einen fallenden oder steigenden Kurs dieser Währungen.

Nur ein Fall: 80.000 Euro weg 
Die Rostocker Ermittler hatten vergangene Woche berichtet, dass sie nach der Anzeige eines um 80.000 Euro betrogenen Mannes ein international agierendes Geldwäsche-Netzwerk aufgedeckt hatten. Ein 35-jähriger Mann in Nordrhein-Westfalen sei festgenommen worden. Der angegebene Schaden von 100 Millionen Euro bezog sich den Angaben zufolge nur auf das Jahr 2018. «Das ist nur der Schaden bei einem Geldwäscher. Die Jahre davor haben wir uns gar nicht angeguckt.» Die Geschädigten hätten kaum eine Chance, ihr Geld wiederzuerlangen.

Dabei täuschten die psychologisch geschulten Betrüger nach dem Geldeingang vor, dass der Gewinn in den Depots schnell steige. «Da werden Renditen von 50 Prozent und mehr versprochen.» Dann seien die Anleger bereit, nicht nur ihr erspartes Geld einzusetzen, sie nähmen dafür sogar Geld auf. «Ein möglicher Auslöser dafür ist die anhaltende Niedrigzinsphase, die die Anleger zu diesem Leichtsinn verleitet», warnt Nowack. Dabei rentiere sich oft schon ein Blick ins Impressum der Webseite. «Manche habe gar kein Impressum, da würde ich schon mal nicht anlegen», erklärt der Staatsanwalt. Auch der Gang zu einer Verbraucherzentrale könne vor Schaden bewahren.

Manche Opfer melden sich gar nicht 
Ein großes Problem bei den Ermittlungen sei, dass die Betrüger extrem schnell arbeiten. Ist das Geld auf dem Konto, werde die Summe innerhalb von Stunden aufgeteilt und ins Ausland transferiert. «Und von dort aus geht es wieder weiter.» Bei Ermittlungen im Ausland entstehe wiederum ein Zeitverlust. Dazu komme, dass sich manche Geschädigten gar nicht erst meldeten, weil sie sich schämten.

Foto:  Jens Kalaene / dpa

14.06.19 wel