Rund um den Anschlag in Halle – Nachrichtensplitter vom Tage

Opfer sind identifiziert
Halle (dpa) – Nach dem Anschlag in Halle sind die erschossenen Opfer identifiziert. Es handelt sich um eine 40 Jahre alte Frau aus Halle sowie einen 20 Jahre alten Mann aus Merseburg, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr.

Jüdische Gemeinde beklagt fehlenden Polizeischutz in Halle
Halle (dpa) – Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, hat nach dem Anschlag auf die Synagoge fehlenden Polizeischutz beklagt. «Bei uns gibt es nie Polizeikontrollen», sagte er heute in Halle. Nicht einmal bei der Chanukka-Feier, dem Jüdischen Lichterfest, mit mehreren hundert Menschen gebe es Polizei, «obwohl ich bitte, dass sie kommen.» Anders als beispielsweise in Berlin und München sei die Polizei nicht vor der Synagoge präsent.

Die Synagoge sei bisher nur mit unregelmäßigen Polizeistreifen geschützt worden. Sie sei in ein Sicherheitskonzept eingebunden gewesen, es habe aber keine Hinweise auf potenzielle Tötungsdelikte mit antisemitischem Hintergrund gegeben, entgegnete der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht (CDU), heute in Halle.

Bekenner-Video zeigte: Waffe des Angreifers hatte Aussetzer
Halle (dpa) – Bei den Angriffen in Halle/Saale haben Defekte an mindestens einer Waffe des Täters allem Anschein nach eine höhere Opferzahl verhindert. In dem offensichtlich vom Attentäter aufgenommenen Tatvideo ist zu sehen, wie in mindestens zwei Fällen Ladehemmungen Menschen das Leben retten.
Der Täter hat selbstgebaute Waffen benutzt. Dies erfuhr die dpa heute aus Sicherheitskreisen. Die Waffen waren demnach nicht richtig zusammengesetzt, deswegen die Ladehemmungen.

Durchsuchung bei Attentäter – Bundesanwaltschaft stellt Beweismittel sicher
Karlsruhe/Halle (dpa) – Nach den Schüssen auf die Synagoge in Halle/Saale und dem Tod von zwei Menschen ist die Wohnung des mutmaßlichen Täters durchsucht worden. Dabei sind Beweismittel sichergestellt worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft heute Morgen.

«Er hat geplant, Menschen zu töten», so ein Ermittler. Letztlich habe er aber seinen Anschlagsplan nicht umsetzen können. Einzelheiten über den offenbar verletzten 27-jährigen Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wurden zunächst nicht bekannt. Derzeit wird das Umfeld des Mannes durchleuchtet.

Polizisten sichern weiter Spuren in Landsberg 
Landsberg (dpa) – Nach den tödlichen Schüssen in Halle/Saale läuft die Spurensicherung der Polizei im etwa 15 Kilometer entfernten Landsberg (Saalekreis) heute Morgen weiter. Immer wieder fahren Polizeiwagen die Landstraße rund um den Ort ab.

Mutmaßliches Täter-Auto abgeschleppt
Landsberg (dpa) – Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Synagoge ist heute Morgen im 15 Kilometer entfernten Landsberg ein dunkelgraues Auto abgeschleppt worden. Nach Informationen eines dpa-Reporters ist das Kennzeichen identisch mit dem des Fahrzeugs, hinter dem sich der Täter in Halle verschanzt hatte und Schüsse abgegeben hatte. Polizisten im Stadtteil Wiedersdorf machten keine Angaben dazu.

Nach unbestätigten Medienberichten war der Täter nach den Schüssen in Halle mit dem Auto nach Landsberg geflüchtet. Dort soll er in einer Autowerkstatt mehrere Menschen bedroht und sich ein neues Fluchtauto besorgt haben. Mit dem neuen Auto baute der flüchtige Täter unbestätigten Berichten zufolge einen Unfall und wurde an der B 91 südlich von Halle festgenommen.

Expertin: Mögliche Erklärung für Attentat im Netz aufgetaucht
Berlin (dpa) – Nach den Angriffen in Halle/Saale ist nach Angaben einer Expertin ein Dokument im Internet aufgetaucht, bei dem es sich um eine Erklärung des Angreifers zu handeln scheint. Das schrieb Rita Katz, Leiterin der auf die Beobachtung von Extremisten spezialisierten Site «Intelligence Group» gestern Abend auf Twitter.

Das PDF-Dokument zeige Bilder von Waffen und enthalte einen Verweis auf das Live-Video, das von der Tat verbreitet worden sein soll. In dem Text werde das Ziel genannt, «so viele Anti-Weiße zu töten wie möglich, vorzugsweise Juden». Das Dokument sei scheinbar vor gut einer Woche angelegt worden und gebe weitere Hinweise darauf, wie viel Planung und Vorbereitung der Täter in die Attacke gesteckt habe.

Streaming-Plattform: Bekenner-Video von Halle sahen rund 2.200 Menschen
Halle (dpa) – Das in den sozialen Netzwerken hochgeladene Bekenner-Video der Angriffe in Halle/Saale ist nach Angaben der Streaming-Plattform «Twitch» von geschätzt 2.200 Menschen angesehen worden, bevor es nach 30 Minuten gelöscht wurde. «Twitch» teilte in der vergangenen Nacht via Twitter mit, dass das «entsetzliche Video» 35 Minuten auch live vom Konto-Eigentümer auf der Plattform gestreamt und in dieser Zeit von fünf Menschen gesehen worden sei. Der Account sei vor etwa zwei Monaten erstellt worden, zuvor sei nur einmal etwas veröffentlicht worden.

Vater von Stephan B.: «Mit sich selbst nicht im Reinen»
Halle (dpa) – Der mutmaßliche Täter von Halle/Saale soll nach den Worten seines Vaters ein Eigenbrötler gewesen sein, der häufig vor dem Computer saß. Die «Bild»-Zeitung zitiert den Vater mit den Worten: «Er war weder mit sich noch mit der Welt im Reinen, gab immer allen anderen die Schuld.» Der 27-Jährige habe kaum Freunde gehabt und stattdessen viel Zeit im Internet verbracht. «Der Junge war nur online.»

Dem «Bild»-Bericht zufolge hatte Stephan B. nach dem Abitur zwei Semester Chemie studiert, das Studium aber wegen Krankheit abgebrochen. Einer Nachbarin zufolge soll er zuletzt als Rundfunktechniker gearbeitet haben. Der Vater berichtete außerdem, sein Sohn sei zwar bei der Bundeswehr gewesen, habe aber keine Spezialausbildung gehabt.

Vier Kilo Sprengstoff im Auto des Attentäters
Karlsruhe (dpa) – Im Auto des mutmaßlichen Täters von Halle sind nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank insgesamt vier Kilo Sprengstoff in zahlreichen Sprengvorrichtungen sichergestellt worden. Dem mutmaßlichen Täter Stephan B. wird zweifacher Mord und versuchter Mord in neun Fällen vorgeworfen, sagte Frank heute in Karlsruhe.

10.10.19 wel