Schatzsucher machen sich strafbar

Polizei findet Waffen und Munition bei «Sondengängern»

Hobbyforscher brauchen in Sachsen eine Genehmigung für die Schatzsuche und Grabungen. Das dient dem Schutz von Kulturgut – und im Falle von Munitionsfunden auch der «Sondengänger».

Kriminalhauptmeister Andreas Matthai mit einem Sturmgewehr 44, das bei einem «Sondengänger» beschlagnahmt wurde.

Zwickau (dpa) – Bei der Durchsuchung von neun Wohnungen und Büros sogenannter Schatzsucher im Raum Zwickau und im Vogtlandkreis sind zahlreiche Waffen, Munition sowie Kulturgüter sichergestellt worden. Die Staatsanwaltschaft Zwickau ermittelt gegen insgesamt acht Männer wegen des Verdachts, ohne die erforderliche Genehmigung gemäß Sächsischem Denkmalschutzgesetz nach Kulturdenkmalen gegraben zu haben, wie eine Behördensprecherin sagte. Nach Angaben der Zwickauer Polizei gab es auch Durchsuchungen in Chemnitz und Leipzig, sowie in Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Die Zwickauer Beamten fanden nach Polizeiangaben über 100 Objekte, neben Porzellan, Zinnspielzeug und Münzen auch Musketenkugeln, Kriegsmunition wie Maschinengewehre und Magazine, Granaten, scharfe Munition größeren Kalibers, Stoffe, aus denen Sprengmittel hergestellt werden können wie Schwarzpulver und Pyrotechnik sowie Soldatenhelme und Stichwaffen. Das Spektrum reiche «von der Armbrustspitze bis zum Panzergeschütz», heißt es.

Jede Menge Gesetzesverstöße 
Die Verfahren zu Verdächtigen aus den anderen Ländern wurden abgegeben, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Zwickau. «In Sachsen ist der Verstoß gegen das Denkmalschutzgesetz eine Straftat, in anderen Ländern nur eine Ordnungswidrigkeit.» Die Beschuldigten seien über eine geschlossene Facebook-Gruppe identifiziert worden.

Waffen, Munition und andere Fundstücke sogenannter «Sondengänger»: Bei Durchsuchungen wurden über 100 Gegenstände sichergestellt.

Die Schatzsuche mit Metalldetektor sei ein «unter Umständen illegales und gefährliches Hobby», so die Polizei. Für die Sondengänger, wie technisch versierte Schatzsucher genannt werden, gebe es klar definierte Regeln. Die Entfernung von Kulturgut verstoße gegen das Sächsische Denkmalschutzgesetz, die von Kriegsmaterialien der Vergangenheit vom Fundort gegen das Gesetz über explosionsgefährliche Stoffe, das Waffengesetz und das Strafgesetz.

Gefahr für sich selbst und Andere 
Zudem gefährdeten die Hobbyforscher sich und Mitmenschen bei unsachgemäßem Transport und unsachgemäßer Lagerung der explosiven Fundstücke, warnt die Polizeidirektion Zwickau. «Wir werden unautorisierte Sondengänger auch weiterhin im Blick behalten – gerade weil historische Kampfmittel nicht in die Hände von Hobbyschatzsuchern gehören», versichert Polizeichef Lutz Rodig.

Fotos:  Bodo Schackow / dpa

01.05.21 wel