Schiffbruch mit Geldanlagen

Mord nach Millionenbetrug?

(XY-Sendung vom 5. Juni 2019)
Bei Nacht und Nebel verschwindet ein Ehepaar aus seinem Haus in Münster bei Darmstadt. Vermutlich flieht Heinz Horst Mergelsberg mit seiner Frau Helga vor den Gläubigern, die sich von ihm betrogen fühlen. Einen Monat später wird Helga Mergelsberg tot aus dem Rhein geborgen. Hat ihr Mann sie umgebracht?

XY-Szenenfoto

Helga und Heinz Mergelsberg – beide um die 50 – wohnen in den 90er Jahren in Münster im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Er arbeitet als Wirtschaftsingenieur am Frankfurter Flughafen, sie ist Dolmetscherin und unterrichtet in einer Sprachenschule. Beiden geht es finanziell sehr gut. Kinder haben sie nicht.

Nebenjob: Vertrieb von Kapitalanlagen
Heinz Mergelsberg hat ein kleines Handicap: Morbus Bechterew, eine Erb-Krankheit, die an seiner gebeugten Körperhaltung zu erkennen ist. Trotzdem unternimmt er oft weite Reisen – sowohl beruflich als auch privat. Seine Frau begleitet ihn meist.

Nebenbei verkauft Mergelsberg Geldanlagen. Das Geschäft läuft gut – zumal er sich auf diesem Gebiet ein gewisses Fachwissen angeeignet hat und mit einer gehörigen Portion Überzeugungskraft neue Kunden gewinnt. Er gründet die „Main-Option-Trading GmbH“, mietet in Frankfurt repräsentative Büroräume und beschäftigt mehrere Mitarbeiter für die Kundenakquise.

1994 Hals über Kopf geflohen: Helga und Heinz Horst Mergelsberg.

Schneeballsystem bricht zusammen
Versprochen werden respektable Gewinne aus unterschiedlichen Anlagegeschäften. Viele Kunden stammen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis des Ehepaars. Auch seine Frau kann Mergelsberg von der Rentabilität seiner Geschäfte überzeugen. Gelegentlich gewinnt auch sie den einen oder anderen neuen Kunden dazu. Vermutlich ahnt sie nicht, dass das Geschäft ihres Mannes eine Art Schneeballsystem darstellt. Aus einem Teil der Einlagen neuer Kunden werden die Gewinne der Bestandskunden finanziert. Über kurz oder lang muss dieses System zusammenbrechen.

Und tatsächlich: Anfang Januar 1994 ist es soweit. Die Kunden vermissen die längst fällige Gewinnausschüttung, werden mit Ausflüchten hingehalten. 20 Kunden erstatten Anzeige gegen Mergelsberg und seine Firma wegen Betrugsverdachts.

Überstürzte Flucht
Mitte Januar ergreift das Ehepaar Hals über Kopf die Flucht. Als die Kripo kurz darauf vor der Tür steht, um neben dem Büro in Frankfurt auch das Privathaus in Münster zu durchsuchen, sind Heinz Mergelsberg und seine Frau spurlos verschwunden. Die Mitarbeiter in Frankfurt kümmern sich in den nächsten Wochen um die Auflösung der maroden Firma. Nach Heinz Mergelsberg wird international gefahndet – wegen Kapitalanlagebetrugs mit einem Schaden von rund 17 Millionen D-Mark.

Kleidersack, mit dem die Wasserleiche verpackt war.

Vier Wochen später wird bei Oestrich-Winkel eine tote Frau ans Ufer des Rheins  geschwemmt. Die Frau wurde offensichtlich ermordet. Ihre Leiche steckt in einem mannshohen Kleidersack. Das Bündel ist mit einem Tauchergürtel verschnürt und mit Bleigewichten beschwert. Der Kripo gelingt es zunächst nicht, die Frau zu identifizieren. Die Unbekannte wird auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt. Erst neun Jahre später findet die Polizei aufgrund einer Weichteilrekonstruktion des Gesichts heraus, um wen es sich bei der Toten handelt: um Helga Mergelsberg.

Lebt Mergelsberg noch – und wo?
Die Kripo verdächtigt zunächst ihren Ehemann, sie umgebracht und im Rhein versenkt zu haben oder zumindest den Auftrag hierzu gegeben zu haben. Doch bis heute ist es nicht gelungen, Heinz Mergelsberg auf die Spur zu kommen. Falls er heute noch lebt, könnte er sich – jetzt über 80 Jahre alt – in Südamerika oder in der Kabirik aufhalten.

Gesucht: Heinz Horst Mergelsberg. So wie auf dem rechten Foto könnte er heute aussehen

Personenbeschreibung (zum Zeitpunkt des Verschwindens):
Anfang 50, 1,86 m groß und schlank, dunkles kurzes Haar, braune Augen, Brillenträger, gelegentlich Vollbart, 5-6 cm großes Muttermal im Nacken.
Er trug immer die kleine Skulptur einer indischen Gottheit als Glücksbringer in der Tasche. Besonders auffällig: seine gebeugte Körperhaltung aufgrund der Krankheit Morbus Bechterew.
Die Kripo Darmstadt hat ein Agingfoto anfertigen lassen, das zeigt, wie Heinz Mergelsberg inzwischen aussehen könnte.

Die Leiche war mit diesem Tauchergürtel zusammen- gebunden und mit diesen Tauchgewichten beschwert.

Gefundene Gegenstände:
Als Helga Mergelsbergs Leiche am 28. Februar 1994 bei Oestrich-Winkel angeschwemmt wurde, steckte sie in einem mannsgroßen, schwarzen Kunstleder-Kleidersack, verschnürt mit einem Tauchergürtel aus schwarzem Leinen, Hersteller: Firma „Scubapro“, Markenzeichen: mehrere aneinander gereihte liegende blaue „S“.
An dem Gürtel befanden sich zwei vermutlich selbst gegossene Bleigewichte zu je 2,5 kg.

Helga Mergelsbergs Leiche wurde bei Oestrich-Winkel ans Rheinufer geschwemmt.

Fragen nach Zeugen:

  • Wer kann Angaben über das Schicksal oder den gegenwärtigen Aufenthaltsort von Heinz Horst Mergelsberg machen?
  • Wem gehörten die Taucher-Utensilien, mit denen Helga Mergelsbergs Leiche im Februar 1994 verschnürt war?
  • Wer hat Heinz Horst Mergelsberg im Januar oder Februar 1994 einen schwarzen Porsche verkauft oder geliehen, mit dem er in dieser Zeit an seinem Ferienhaus in Südfrankreich gesehen wurde?
  • Bei wem hat sich Heinz Horst Mergelsberg unter dem Aliasnamen „Heinz Wergers“ vorgestellt?

Zuständig: Kripo Darmstadt, Telefon 06151 / 969 41 01