Schüsse durch die Haustür

Unerwartete Wende im Prozess

(„XY gelöst“ vom 30. Juni 2021)
Ein Mann wird durch mehrere Schüsse getötet. Sie werden abgefeuert von einer Person, die draußen vor seiner Haustür steht. Schnell hat die Polizei einen Verdacht. Doch nach jahrelangen Ermittlungen nimmt der Fall vor Gericht eine völlig unerwartete Wendung.

XY-Szenenfoto

Der 7. September 2013 wird einer Familie aus Hanau für immer in schrecklicher Erinnerung bleiben. Der 53-jährige Familienvater stirbt – getötet von mehreren Schüssen, die durch die geschlossene Haustür auf ihn abgefeuert wurden. Schon bald gibt es einen Verdacht: Hat ein Verwandter des Opfers wegen eines Erbstreits zur Waffe gegriffen?

XY-Szenenfoto

Verdeckte Ermittler
Die Polizei kann den Tatverdacht nicht erhärten, zumal der Mann ein Alibi für den Tatabend präsentieren kann. Ein Jahr später ziehen der Verwandte und seine Lebensgefährtin nach Österreich um. Doch die zuständigen Ermittler sind überzeugt, dass sie den richtigen Mann im Visier haben. Gemeinsam mit der österreichischen Polizei setzen sie zwei verdeckte Ermittler aus Hanau auf das Pärchen an.

Mit Erfolg: Der Verdächtige erklärt sich bereit, dem vermeintlichen neuen Freund aus einer Zwangslage zu helfen. Er verkauft ihm eine Pistole, die bereits bei einem Verbrechen eingesetzt wurde. Die kriminaltechnische Untersuchung zeigt: Es ist die Waffe, mit der die tödlichen Schüsse in Hanau abgefeuert wurden.

Neuer Verdacht
Aufgrund der neuen Beweislage wird der Tatverdächtige in Österreich verhaftet und nach Deutschland überstellt. Doch er leugnet, die Tat begangen zu haben. Der Prozess gegen ihn läuft bereits, als die Ermittlungen plötzlich in eine andere Richtung gelenkt werden. Textnachrichten und ein abgehörtes Telefonat sprechen dafür, dass die Lebensgefährtin des Angeklagten die Unwahrheit gesagt hat – und dass sie am Tatabend in Hanau war.

Die Lebensgefährtin wird verhaftet, als sie gerade vor Gericht zugunsten ihres Partners aussagen will. Der Indizienprozess wird neu aufgerollt, diesmal mit zwei Angeklagten. Am Ende ist das Gericht davon überzeugt, dass die Frau die tödlichen Schüsse abgegeben hat. Sie wird wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Ihr Lebensgefährte, aus dessen Besitz die Tatwaffe stammt, muss wegen Beihilfe zum Totschlag für neun Jahre ins Gefängnis.

Kriminalpsychologin Lydia Benecke:
Die beiden Verurteilten hatten anscheinend eine ganz eigene Paar-Dynamik. Die Täterin stellte für ihren Lebenspartner eine attraktive Frau dar, die scheinbar alle seine Interessen teilte. Für sie stellte die Beziehung eine Möglichkeit dar, einen besseren Lebensstil verfolgen zu können. Lydia Benecke glaubt, dass der Mord auch einen psychologischen Aspekt gehabt haben könnte: Es ist denkbar, dass die Täterin den Mord für ihren Partner beging, der selbst zu solch einer Tat nicht fähig war. Damit wollte sie ihren Lebenspartner vielleicht für immer an sich binden.