Schwer wiegendes Verbrechen

Metalldiebstahl boomt - sogar Bahnschienen und Kabel werden abmontiert

Düsseldorf (dapd). Selbst vor Friedhöfen machen sie nicht halt: In Nordrhein-Westfalen schlagen immer häufiger Metalldiebe zu. «Die Täter schrecken vor nichts zurück», sagt der Sprecher des Landeskriminalamts, Frank Scheulen, in Düsseldorf. Landesweit rund 2.270 Diebstähle von Buntmetallen wie Kupfer, Bronze oder Messing registrierten die Behörden im vergangenen Jahr. In diesem Jahr waren es bereits bis Ende Mai 2.070 Fälle.

Der neueste und vielleicht geschmackloseste Coup: In Würselen bei Aachen schlichen sich am Wochenende Unbekannte auf einen Friedhof und ließen Metallgegenstände von Grablaternen bis -vasen mitgehen. 150 Gräber wurden verwüstet.

Einzelgänger und Banden
«Es wird alles entwendet», sagt Scheulen. In Rohbauten rissen sie die Kupferleitungen heraus, in Gewerbegebieten transportierten sie ganze Lastwagenladungen ab. Die Täter: Einzelgänger, Komplizen und organisierte Banden.

Die Bundespolizei hat inzwischen immer häufiger mit Diebstählen entlang der Bahngleise zu tun. Kabel, Gleisstücke und Signalleitungen werden abgebaut und abtransportiert, wie die Sprecherin der Bundespolizeiinspektion Sankt Augustin, Michaela Heine, berichtet. Die Sicherheit der Bahnreisenden werde aufs Spiel gesetzt. «Das Geldverdienen steht im Vordergrund», sagt sie.

Nach Einschätzung von LKA-Sprecher Scheulen liegt die Ursache für den Boom an den gestiegenen Weltmarktpreisen für Buntmetalle. «Sobald die Weltmarktpreise hochgehen, ziehen die Fallzahlen nach», sagt er. Scheulen und seine Kollegen haben es aufgegeben, nach Metallarten zu unterscheiden. Es wäre zu aufwändig.

Landesweit sind Metalldiebe auf der Suche. In Minden wurden kürzlich von der Marienkirche Wasserrohre abmontiert, bei Viersen hat eine Pilgerkapelle ihre Kupferverblendung verloren. In Mülheim an der Ruhr wurde kurzerhand eine tonnenschwere Bronzeskulptur mitgenommen. Der «Bogenschütze» wurde per Zufall beschädigt in einem Waldstück wiederentdeckt. Und aus einem Armaturenwerk im sauerländischen Attendorn wurden Ende März Kisten und Paletten mit sechs Tonnen Messing gestohlen. Wert: 30.000 Euro.

Schrotthändler in Misskredit
Die Schrotthändler fürchten um ihren Ruf. «Wir wollen die Altmetallhändler sensibilisieren, dass die ihnen angebotene Ware auch geklaut sein könnte», sagt LKA-Sprecher Scheulen. Ulrich Leuning, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling und Entsorgungsunternehmen (BDSV), erklärt, die Schrotthändler müssten ihre Ankäufe und Geschäftspartner schriftlich dokumentieren.

«Wir hängen sofort mit drin», sagt Leuning. Im Einzelfall lasse sich aber nicht immer garantieren, woher die angekaufte Lieferung stamme. Leuning geht aber davon aus, dass der Großteil der geklauten Ware über die Landesgrenzen gebracht werde.

Neben hohen Strafen riskieren die Täter auch ihr Leben. Für einen 36-Jährigen endete die Diebestour vor kurzem tödlich. Er hatte im April offensichtlich einen Stromschlag erlitten, als er auf einem stillgelegten Firmengelände in Duisburg ein 10.000-Volt-Starkstromkabel abtrennen wollte. Seine mutmaßlichen Komplizen konnten seinen leblosen Körper nur noch im Krankenhaus abliefern.

Foto: Kurt Michel / pixelio.de

08.06.2011 dv