Schwerbewaffnet in die Schule

14-Jähriger knackt Tresorraum seines Vaters - 280 Schüler in Angst

Memmingen (dapd-bay). Nach dem Amok-Alarm im schwäbischen Memmingen ist der 14-jährige Schütze in einer Jugendpsychiatrie untergebracht worden. Die Pistolen, mit denen der Schüler am Dienstag an einer Hauptschule und an einem Sportplatz um sich geschossen hatte, stammen aus dem Besitz seines Vaters, wie Polizei und Staatsanwaltschaft heute mitteilten.

Der Junge hatte ersten Ermittlungen zufolge einen Waffentresor im Haus geknackt. Das Motiv für die Tat ist weiter unklar, vermutlich war Liebeskummer der Auslöser. Gegen den Jungen erging am Mittwoch ein sogenannter Unterbringungsbefehl, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner auf Anfrage sagte. Er bleibt vorläufig in einer psychiatrischen Fachklinik.

Vor dem Ermittlungsrichter habe der Schüler von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Er habe sich mit seinem Anwalt beraten und entschieden, zu den Vorwürfen zu schweigen. An der Schule wurde der Unterricht wieder aufgenommen. Den Kindern und Jugendlichen standen Seelsorger zur Seite.

Waffentresor geknackt 
Nach Angaben der Ermittler hatte der Vater die Waffen ordnungsgemäß in einem Tresorraum im Haus der Familie aufbewahrt. Es gebe keine Hinweise auf ein Fehlverhalten des 53 Jahre alten Sportschützen und legalen Waffenbesitzers. Seinem Sohn sei es gelungen, die elektronische Sicherung zu manipulieren und die Tresortür zu öffnen. Bei der Tat führte er eine großkalibrige Pistole, eine kleinkalibrige Pistole sowie eine Luftdruckpistole mit sich.

Der Achtklässler hatte Dienstagmittag in der Memminger Lindenschule einen Schuss mit einer scharfen Waffe abgefeuert. Auf der Flucht vor der Polizei verschanzte er sich auf einem Sportplatz. Dort schoss er mehrmals wild um sich. Ein Spezialeinsatzkommando überwältigte ihn nach Stunden. Verletzt wurde niemand. Mehrere Polizeiautos wurden beschädigt. 

Sympathischer junger Mann“ 
Schulleiter Franz Schneider betonte am Mittwoch, der 14-Jährige sei zuvor nicht als gewalttätig aufgefallen. Er habe den Achtklässler als einen „sehr sympathischen jungen Mann“ wahrgenommen und ihn sehr geschätzt. „Es ist ein ganz normaler Junge unserer achten Klasse, ein Mittelschüler, wie wir sehr viele an der Schule haben.“ Er sei auch nicht gemobbt worden. Schneider sprach von einer Einzeltat. Ein Schüler habe, aus welchen persönlichen Gründen auch immer, überreagiert.

Der Tat ging offenbar ein Beziehungsdrama voran. „Er hatte mit seiner 13-jährigen Freundin Streit und die Beziehung wurde beendet“, sagte ein Polizeisprecher. Das Paar habe sich etwa einen Tag vor dem Amok-Alarm getrennt. Über das Motiv des Jungen gibt es allerdings weiter keine gesicherten Erkenntnisse. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft ist der 14-jährige psychisch nicht in der Lage, Auskünfte zu geben.

Die Mitschüler wurden am Mittwoch von Krisenhelfern psychologisch betreut. Schulleiter Schneider betonte, dass nach dem Vorfall ein normaler Unterricht vorerst nicht möglich sei. Beim Amok-Alarm am Vortag waren die 280 Schüler per Lautsprecher aufgefordert worden, die Klassenzimmer nicht zu verlassen. Die Räume wurden abgesperrt. Der Notfallplan habe „sehr, sehr gut funktioniert“, sagte Schneider.

23.05.2012 wel
aktualisiert: 24.05.2012  wel