Selbstjustiz in Sachsen

Vermeintlicher Verkehrsunfall entpuppt sich als gezielter Anschlag

Neusalza-Spremberg/Görlitz (dpa/sn/pol). Ein vermeintlicher Verkehrsunfall in Ostsachsen hat sich als Fall von Selbstjustiz erwiesen. Ein 45-Jähriger soll seinen Schwager gezielt mit dem Auto umgefahren haben, um ihn zu töten, wie Polizei und Staatsanwaltschaft gemeinsam in Görlitz bekanntgaben. Zuvor habe der Mann erfahren, dass sein 49 Jahre alter Schwager seit Jahren seine eigene Tochter sexuell missbraucht haben soll.

Bei dem Zusammenstoß zwischen Auto und Motorroller Anfang August in Neusalza-Spremberg wurde der angefahrene 49-Jährige verletzt. Beide Männer hätten die Taten teilweise eingeräumt, hieß es. Der 49-Jährige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Für den vier Jahre jüngeren Autofahrer ordnete ein Ermittlungsrichter die einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Denkzettel oder Mordanschlag?
Aus einem Gutachten sollen sich erhebliche Zweifel an seiner Schuldfähigkeit ergeben. Der Mann steht im Verdacht des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr. Dazu kommt der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung sowie des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Zwar sei der Mann geständig, bestreite aber eine Tötungsabsicht, hieß es. Doch die bisherigen Ermittlungsergebnisse sprechen gegen ihn. Nach Lage der Dinge hat der Mann wohl den späteren Unfallwagen extra für den Anschlag auf seinen Schwager besorgt.

Was den Schwager betrifft, so scheinen auch hier die Ermittlungen den Verdacht des Missbrauchs zu bestätigen. Laut den Aussagen seiner Tochter und sichergestellter Unterlagen, wird dem 49-Jährigen sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sowie Beischlaf zwischen Verwandten in sehr vielen  Fällen in Tateinheit mit schwerem sexuellen Missbrauch eines Kindes und zahlreichen Fällen des Missbrauchs einer Jugendlichen vorgeworfen. Er hat die  überwiegende Anzahl der Taten  eingeräumt, so die Polizei.

16.08.2014 Ta