Solidarität = praktizierte Nächstenliebe

Bundesinnenminister Seehofer zeichnet die XY Preisträger 2019 aus

Berlin (wel) – Großer Tag für vier engagierte und  couragierte Mitbürger. Im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin waren sie gestern Abend die Stars: die XY-Preisträger 2019. Bundesinnenminister Horst Seehofer – Schirmherr der diesjährigen Aktion von ZDF und «Aktenzeichen XY» – übergab die Trophäen und würdigte die Leistungen von Werner und Kevin Rast, Geog Köttner und Karsten Weisgut. 

Gruppenbild mit Innenminister: Werner Rast, Karsten Weisgut, Bundesinnenminister Horst Seehofer, Kevin Rast und Georg Köttner (v.l.)

Stolz berichtete der Bundesinnenminister von einem aktuellen Ermittlungserfolg. In Berlin hatte die Polizei durch die Festnahme eines 26-jährigen Verdächtigen vermutlich gerade einen Terroranschlag verhindert (e110 berichtete). Er konnte nicht umhin, die Arbeit der Sicherheitsbehörden zu loben. Im gleichen Atemzug aber betonte Seehofer, dass die wichtigste Aufgabe des Staates, nämlich dem Bürger größtmögliche Sicherheit zu geben, nicht zu erbringen sei ohne couragierte Mitbürger, die ihren Teil dazu beitragen.

Vier solcher Mitbürger galt es gestern Abend auszuzeichnen:  Werner und Kevin Rast  haben zwei in Bedrängnis geratene Polizisten aus der Gewalt zweier Angreifer befreit,  Georg Köttner  hat ein junges Mädchen vor sexuellem Missbrauch in einem Schulbus beschützt und  Karsten Weisgut  hat den Angriff eines Mannes gegen eine 77-jährige Frau auf dem Bahnhof gestoppt. Eine Fachjury hatte die Preisträger ausgewählt, die nun unter dem großen Beifall der knapp 200 Besucher der einstündigen Feierstunde Urkunde und Trophäe aus der Hand des Ministers überreicht bekamen. Und nicht zuletzt ist der XY Preis mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

Schauspielerin Amy Mußul mit Preisträger Georg Köttner.

Beeindruckt von Preisträgern  
Die Leistungen der Preisträger wurden noch einmal in Filmen rekonstruiert, die in den vergangenen Monaten zum Teil auch schon in «Aktenzeichen XY… ungelöst» zu sehen waren. Auch der Bundesinnenminister zeigte sich nach der Filmvorführung sehr beeindruckt und lobte, die Preisträger hätten sehr genau gewusst, was sie sich zutrauen können und sehr überlegt gehandelt. Sie hätten besondere Solidarität mit bedrängten Mitbürgern gezeigt. «Und Solidarität setze ich gleich mit praktizierter Nächstenliebe», so der CSU-Minister.

Traditionell bekommen die XY-Preisträger Paten zur Seite gestellt, Darsteller, die in aktuellen ZDF-Krimiserien mitspielen. Sie halten jeweils die Laudatio und zitieren die Begründung der Jury. Besonders emotional gestaltete Schauspielerin Amy Mußul («Soko Leipzig») ihre Laudatio. Der Missbrauch an Kindern erschütterte sie immer wieder und sie frage sich jedesmal, wie kann so etwas passieren. Umso mehr bewundere sie Georg Köttner, der in einer solchen Situation eingegriffen habe, weil er  aufmerksam war und das richtige Mitgefühl gezeigt hat. «Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der ich darauf vertrauen kann, dass mir jemand in Bedrängnis hilft und nicht einfach wegschaut.»

Helfer mit Nahkampf-Erfahrung
Schauspieler Heino Ferch («Spuren des Bösen») zeigte sich persönlich sehr beeindruckt von Werner und Kevin Rast. Er erinnerte daran, dass solche Hilfeleistungen für die Helfer nicht immer glimpflich ausgehen. Deshalb bewundere er die Umsicht, mit der Vater und Sohn zwei betrunkene Raufbolde zur Räson brachten. «Ein solches Eingreifen hat mit Glück und Intuition zu tun.» Im anschließenden Interview verrieten die beiden Preisträger aber auch, dass sie nicht ganz unvorbereitet in diese Situation gegangen sind: Vater Werner Rast ist Kickboxer und Sohn Kevin hat in seiner Bundeswehrzeit Nahkampf-Erfahrung gesammelt.

Matthias Matschke (« Professor T.») sagte im Hinblick darauf, dass sein Schützling sich auf einem Bahnsteig für eine bedrängte Rentnerin eingesetzt hat: « Karsten Weisgut hat sich für etwas eingesetzt, was mir gehört, was uns allen gehört: der öffentliche Raum. Der Arbeitsweg, die Straße, der Treffpunkt mit Freunden oder der Bahnhof sind heutzutage nicht mehr sicher, sondern immer öfter Orte der Gewalt. » Er attestierte Weisgut, er habe eine positive solidarische Einstellung durch seinen Einsatz gezeigt. Er dankte ihm im Namen von allen. «Für mich sind sie wirklich ein Held.»

Fotos: Rüdiger Wellnitz / e110 

21.11.19 wel