Verschleppt und ermordet

Cold Case: der Mordfall Eva Götz

(XY-Sendung vom 18. Januar 2023)
Freiburg, Anfang 1997. Eva Götz ist 26 Jahre alt und studiert Biologie. Noch im selben Jahr will sie die letzten Prüfungen schreiben und dann das Studium beenden. Sie steckt voller Pläne für die Zukunft. Doch dann wird sie durch ein Verbrechen brutal aus dem Leben gerissen.

XY-Szenenfoto

Am Samstag, 25. Januar 1997 fährt sie zu ihren Eltern in die Nähe von Landau in der Pfalz. Dort will sie unter anderem ihrer älteren Schwester das Auto zurückgeben, das sie sich von ihr geliehen hat.

1997 ermordet: die Studentin Eva Götz

Rückfahrt mit dem Zug
Am Sonntag, 26. Januar 1997 fährt sie am frühen Abend mit dem Zug zurück Richtung Freiburg. Zwischen Landau und Karlsruhe lernt sie einen jungen Mann kennen, der ebenfalls Biologie studiert. Er steigt in Karlsruhe aus, während Eva Götz den IC 503 nach Freiburg nimmt. Der Zug fährt gegen 20 Uhr in Karlsruhe ab und kommt mit wenigen Minuten Verspätung, um 21.08 Uhr in Freiburg an.

Vermutlich hat sich Eva Götz dann zu Fuß auf den Weg vom Freiburger Hauptbahnhof zu ihrer Studenten-WG gemacht – nicht zuletzt, weil sie ihre Monatskarte für den Nahverkehr vergessen hat. Ihr üblicher Weg führt über die Stefan-Meier-Straße.

Im Landkreis Tuttlingen wurde die Leiche gefunden.

Schreie auf der Straße
Dort hören Anwohner gegen 21.15 Uhr Schreie, können aber nichts Ungewöhnliches feststellen. Ihnen fällt jedoch ein hell-beiger, älterer Kastenwagen auf, der kurz darauf wegfährt. Dieses Auto war am selben Tag ab 16 Uhr immer wieder im Bereich der Stefan-Meier-Straße gesehen worden.

Ein ähnliches Auto fällt dann ab 23 Uhr im Landkreis Tuttlingen auf, in der Nähe von Donaueschingen, rund 80 Kilometer von Freiburg entfernt. Die letzte Zeugenbeobachtung ist gegen 2.30 Uhr an einem Feldweg an der L 185 zwischen den Orten Blumberg und Geisingen. Sechs Stunden später, gegen 8.40 Uhr, findet ein Lkw-Fahrer genau an dieser Stelle die Leiche von Eva Götz.

Als sie verschwand, trug Eva Götz diese Kleidung.

Wahrscheinlicher Tatablauf
Alles spricht dafür, dass Eva Götz in Freiburg entführt worden ist. Der Täter hat ihr Gewalt angetan, die sexuell motiviert gewesen sein dürfte. Schließlich hat er sie getötet und an dem Feldweg aus dem Auto geworfen.

Der Täter dürfte allein gehandelt haben und seine Tat gut vorbereitet haben. Die Polizei geht davon aus, dass Eva Götz ein Zufallsopfer war. Der Täter muss Zugang zu Chloroform gehabt haben. Damit wurde die 26-Jährige betäubt. Die Polizei hat Spuren sichergestellt, die den Täter überführen könnten. Außerdem wurde eine DNA-Spur gefunden, die bisher nicht zugeordnet werden konnte.

So ähnlich soll das Auto des Täters ausgesehen haben.

Fahrzeugbeschreibung:
Der mutmaßliche Täter fuhr einen Kastenwagen, hell-beige, älter, heruntergekommen, eher eckig, mit zwei Hecktüren. Das Auto hatte ausländische Kennzeichen: schwarz mit unbekannten weißen Buchstaben und Ziffern, möglicherweise aus Frankreich oder Polen. In Frage kommt z.B. ein Peugeot J7, aber die Polizei kann und will sich nicht auf eine Marke oder gar ein bestimmtes Modell festlegen.

Verschwundene Gegenstände:
Seit der Tat fehlen einige persönliche Gegenstände aus dem Besitz des Opfers. Sie dürften im Auto des Täters zurückgeblieben sein:

  • blau-weiß gestreifter Leinenrucksack mit Karabinerverschluss;
  • bunte Geldbörse aus Stoff mit Klettverschluss, darin Papiere des Opfers und etwa 400 DM;
  • rotes Buch „Immunologie“ aus dem Spektrum-Verlag;
  • Brille des Opfers mit dünnem schwarzem Metallgestell, Marke „Pro Design“, Modell „Double 1“,  rote Zierverschraubung an den Scharnieren.

    Bis heute verschwunden (v. l.): Buch „Immunologie“, Geldbörse, Rucksack, Brille

    Eva Götz wurde vermutlich in Freiburg verschleppt.

Fragen nach Zeugen:

  • Wer hat am 26. Januar 1997 im Bereich der Stefan-Meier-Straße in Freiburg ebenfalls den Kastenwagen gesehen oder hat andere tatrelevante Beobachtungen gemacht – besonders im Bereich der damaligen DEA-Tankstelle, die es dort heute nicht mehr gibt? Die Stelle befindet sich in der Nähe der JVA.
  • Wer hat Eva Götz im IC nach Freiburg und danach in Freiburg selbst noch gesehen oder mit ihr gesprochen?
    Sie trug eine schwarze Cord-Jacke mit roter Aids-Schleife, blaue Jeans, einen gemusterten Schal und grüne Wildlederschuhe.
  • Wem ist der Kastenwagen in der fraglichen Nacht zwischen Freiburg und dem späteren Leichenfundort im Landkreis Tuttlingen aufgefallen?
    Eine mögliche Route führt durch den Schwarzwald, auf der B31.
  • Wer hat im Bereich des Leichenfundorts den Kastenwagen gesehen oder tatrelevante Beobachtungen gemacht?

Mitwisser der Tat werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Gleiches gilt für Frauen, die um 1997 in der Freiburger Gegend von einem Mann bedrängt worden sind, vielleicht sogar im Zusammenhang mit dem beschriebenen Kastenwagen.

Belohnung: Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, ist eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.

Zuständig: Kripo Rottweil, Telefon: 0741 / 47 70

Fotos: Kripo Rottweil, Securitel / ZDF, e110