Vermisster Junge tot am Feldrand

14-Jähriger gesteht die Tötung eines Gleichaltrigen

Nach einer groß angelegten Suchaktion über Stunden wird die Leiche eines Jungen entdeckt. Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt aus und haben auch schon einen Verdächtigen. Dieser ist genauso jung wie sein mutmaßliches Opfer. 

Auf der Suche nach dem möglicherweise getöteten Jugendlichen durchkämmen Einsatzkräfte ein Waldgebiet im niedersächsischen Wunstorf.

Von MARCO RAUCH und CHRISTINA STICHT  (dpa)
Eine ganze Nacht und einen Vormittag haben Einsatzkräfte in Wunstorf bei Hannover nach einem vermissten 14-Jährigen gesucht. Heute Mittag gab es dann traurige Gewissheit: Beamte entdeckten die Leiche des Jugendlichen auf einem Brachgelände an einem Feldrand im Ortsteil Blumenau. Im Rahmen der Ermittlungen habe ein gleichaltriger Freund des Jungen gegenüber der Polizei angegeben, diesen getötet und versteckt zu haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Der Junge war gestern nach einer Verabredung nicht nach Hause zurückgekehrt.

Der tatverdächtige Jugendliche wurde heute festgenommen. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des Totschlags ermittelt. Zu seinem Motiv haben die Beamten noch keine Erkenntnisse.

Aus Vermisstenfall wird ein Tötungsdelikt   
Der Vater des 14-Jährigen hatte seinen Sohn bereits gestern gegen 18.30 Uhr als vermisst gemeldet. Er war nach einem Treffen mit einem ebenfalls 14-Jährigen aus Wunstorf nicht nach Hause gekommen. Ob sich der Junge mit dem späteren Täter oder mit einem anderen Gleichaltrigen verabredet hatte, ist laut Polizei noch Gegenstand der Ermittlungen. Zunächst gingen die Beamten einem Polizeisprecher zufolge von einem Vermisstenfall aus. Dann kam die Wendung in der Nacht. Durch die Aussage des mittlerweile Festgenommenen stand ein Tötungsdelikt im Raum. Dennoch hatten die Beamten am Morgen noch Hoffnung, den Vermissten lebend zu finden.

Bei der Suche mit einem Großaufgebot der Polizei bereits unmittelbar nach seinem Verschwinden wurden auch Personenspürhunde und ein Polizeihubschrauber eingesetzt. Nach der Aussage des Freundes, er habe den 14-Jährigen getötet, wurde die Suchaktion ausgeweitet. Feuerwehrleute und Polizei-Hundertschaften durchkämmten den Lutherforst, ein Waldstück bei Wunstorf. Auch in der Nacht war die Suche fortgesetzt worden. Die Leiche des Jungen wurde schließlich in etwa drei Kilometer Entfernung von dem Waldstück gefunden.

«Schutzwürdige Interessen»  
Wegen des Polizei-Einsatzes war die Bahnstrecke Hannover in Richtung Minden beziehungsweise Nienburg am Morgen zeitweise gesperrt. Nach Angaben der Deutschen Bahn kam es zu Verspätungen und Zugausfällen. Betroffen waren Regionalbahnen sowie alle ICE- und IC-Züge auf der Strecke zwischen Minden in Westfalen beziehungsweise Bremen und Hannover.

Weil es sich um einen sehr jungen Tatverdächtigen handle, müssten dessen schutzwürdige Interessen beachtet werden, sagte ein Polizeisprecher. So könne er unter anderem nur im Beisein seiner Eltern befragt werden. Tötungsdelikte mit sehr jungen Tatverdächtigen kommen Kriminologen zufolge nicht häufig vor. In Braunschweig steht jedoch seit Ende Dezember ein ebenfalls 14-Jähriger vor Gericht. Er soll gemeinsam mit einem zur Tatzeit 13-jährigen Mitschüler ein 15 Jahre altes Mädchen aus Salzgitter heimtückisch ermordet haben.

Blankes Entsetzen in Wunstorf  
In der Kleinstadt in der Nähe des Steinhuder Meers war das Verbrechen schnell Gesprächsthema. «Wir haben es im Internet gelesen und haben gestern Abend auch mitgekriegt, wie der Suchhubschrauber losflog», sagte eine ältere Frau vor einem Supermarkt in Wunstorf. «Es ist ganz furchtbar.» Sie habe großes Mitgefühl mit den Angehörigen des Opfers und auch des mutmaßlichen Täters. «Das stelle ich mir ganz fürchterlich vor, da kriege ich direkt eine Gänsehaut. Ich habe immer gedacht, sowas passiert doch nicht bei uns in Wunstorf», sagte die Frau.

Eine andere Frau vor dem Supermarkt stellte sich die Frage, ob Gewalt unter Jugendlichen mehr geworden sei. «Klar gibt es mal Schlägereien, aber wenn hier jetzt auch noch Leute umgebracht werden, ist das ja noch mal eine andere Nummer», sagte sie. Einer Schülerin auf der Straße war der Schock über die Nachricht anzusehen. Sie sagte: «Wir haben es in den Nachrichten gehört, sonst wissen wir noch nichts darüber. Das fühlt sich schon komisch an.»

Foto:  Moritz Frankenberg / dpa

25.01.23 wel