Taser gegen gewaltbereite Täter

In NRW dürfen nur SEKs Elektroimpulsgeräte benutzen

Ginge es nach der Polizeigewerkschaft, würde eine Elektroschock-Pistole – auch «Taser» genannt – in jedem Streifenwagen in NRW liegen. Bislang nutzen dort nur Spezialeinsatzkommandos die Geräte. Der Bericht über einen internen Test wird jetzt ausgewertet.

Der Taser im Einsatz. In NRW benutzen nur Spezialeinsatzkommandos das Gerät.

Düsseldorf (dpa/lnw) – Spezialeinsatzkommandos der NRW-Polizei haben in den Jahren 2014 bis 2018 genau 73 Mal Elektroschock-Pistolen, sogenannte «Taser», eingesetzt. Das teilte das Innenministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Zurzeit wird im Innenministerium ein Bericht ausgewertet, für den das Landesamt für Polizeiliche Dienste (LZPD) Taser getestet hat. Nicht im Einsatz, sondern intern. Dabei wurden nach dpa-Informationen auch Testpersonen mit dem Gerät beschossen.

«Kein Allheilmittel» 
Zu den Ergebnissen konnte ein Sprecher des LZPD nichts sagen, da die Auswertung im Innenministerium noch andauert. Aus Sicherheitskreisen heißt es aber, dass «Distanz-Elektroimpulsgeräte» keineswegs ein Allheilmittel etwa zur Selbstverteidigung bei Attacken seien. «Uns ärgert, dass die Diskussion über den Taser immer wieder im Zusammenhang mit Messer-Attacken aufgemacht wird», sagt der LZPD-Sprecher. «In so einem Fall ist nur die Schusswaffe ein probates Einsatzmittel, alles andere ist lebensgefährlich.»

Die tödlichen Schüsse eines Polizeianwärters auf einen mit einem Messer bewaffneten, psychisch kranken Angreifer in Gelsenkirchen  (e110 berichtete)  haben die Debatte um «Taser» wieder entfacht. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) betont, dass ein Elektroimpulsgerät «die Lücke zwischen Einsatzmehrzweckstock, Pfefferspray und Schusswaffe schließen» und Einsatzkräfte bei Angriffen schützen könne. Die Gewerkschaft fordert seit längerem die «flächendeckende Ausstattung» der NRW-Polizei mit Tasern.

«Unendliches Versuchsstadium» 
Bislang benutzen in NRW nur Spezialeinsatzkommandos die «Taser» vom Typ «Axon». Laut Innenministerium kam es 2014 zu 14 Taser-Einsätzen durch SEKs in NRW. Im Jahr 2015 waren es 18, 2016 waren es 14, 2017 kam es zu 11 und 2018 zu 16 Einsätzen. Die Zahlen für 2019 liegen dem Ministerium zufolge noch nicht vor.

Die Benutzung durch SEKs nennt DPolG-Landeschef Erich Rettinghaus ein «unendliches Versuchsstadium». In Rheinland-Pfalz werden Taser bereits im Streifendienst eingesetzt. Vorangegangen war ein einjähriger Test bei der Polizeidirektion Trier. Danach teilte das  rheinland-pfälzische Innenministerium  im April 2018 mit, dass das Gerät in «30 Einsatzlagen» angewendet worden sei: «In 21 Fällen war es bereits ausreichend, den Einsatz (…) anzudrohen, um einen bevorstehenden Angriff abzuwenden.»

«Hohe deeskalierende Wirkung»
Für das Mainzer Ministerium bewies das «eindrucksvoll» die «hohe deeskalierende Wirkung» der Geräte, wie es nach der Testphase hieß. «In lediglich sechs Fällen musste eine Person mit dem Taser aus der Distanz beschossen werden, in vier Fällen wurde das Gerät in direktem Kontakt mit dem Körper eingesetzt.»

Die Betroffenen seien unmittelbar im Anschluss medizinisch begutachtet worden: «In keinem Fall konnten hierbei medizinische Auffälligkeiten festgestellt werden.» Über die konkreten Erfahrungen der Benutzung der Taser durch Spezialeinsatzkommandos in NRW sagte das Düsseldorfer Innenministerium nichts. Es habe aber in keinem Fall ein Todesopfer gegeben, erklärte ein Sprecher.

Archivfoto:  Boris Roessler / dpa   (Bildbearbeitung: e110) 

11.01.2020 wel