Mord vor Heiligabend

Kurierdienst-Chef brutal erschlagen

(XY-Spezial vom 15. Juli 2020)
Der brutale Mord an einem Lagerleiter stellt die Polizei viele Jahre vor ein Rätsel. Bis die Ermittler sich an XY wenden. Eine Zuschauerin ruft während der Sendung an und verweist auf einen Bekannten. Die Spur ist falsch. Aber sie führt die Polizei letztlich doch auf die richtige Fährte.

XY-Szenenfoto

Hans Joachim Eckert leitet ein Kurierdienst-Depot in Mehren in der Eifel. Am Abend vor Weihnachten 2005 läuft alles schief: Ein Mitarbeiter kommt verspätet beim Lager an – er hat ein Portmonee mit Bargeld verloren. Aufgrund der zeitlichen Verzögerung schafft es der 54-jährige Eckert nicht, wie geplant noch am selben Abend zu seiner neuen Freundin zu fahren, die 800 Kilometer entfernt wohnt. Deshalb ruft er sie an, um sich zu entschuldigen und seine Ankunft am nächsten Tag zu besprechen. Es ist sein letztes Lebenszeichen.

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Enorme Brutalität
Was danach passiert, können die Ermittler nur anhand der Spuren rekonstruieren: Kurz nach dem Telefonat verlässt Eckert das Gebäude. Bevor er die Tür abschließen kann, wird er von hinten angegriffen und brutal erschlagen. Danach öffnen die Täter mit seinem Schlüssel den Tresor und rauben 6.400 Euro. Ein Fahrer findet seinen Chef am nächsten Morgen tot auf dem Gelände.

Die Suche nach Hans Joachim Eckerts Mörder bleibt neun Jahre ohne Ergebnis. Im April 2014 veröffentlicht die Kripo den Fall in „Aktenzeichen XY“. Noch während der Sendung meldet sich eine Zuschauerin. Sie habe einen Mann in einer Drogenentzugsklinik in der Eifel kennengelernt. Dieser habe ihr von dem Einbruch erzählt. Ein Komplize habe den Chef des Paketdepots erschlagen.

Falsche Spur – richtige Fährte
Die Kripo überprüft diesen Mann – und tatsächlich ist er wegen etlicher Einbruchs- und Diebstahlsdelikte vorbestraft. Allerdings stellt sich heraus: Der Verdächtige ist ein Aufschneider. Er hat in den Medien von dem Verbrechen erfahren und die Geschichte benutzt, um Frauen zu beeindrucken.

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Dennoch bringt  diese Spur die Polizei weiter. Denn im Dunstkreis des Aufschneiders bewegt sich ein polizeibekannter Einbrecher. Die Ermittler befragen die Ex-Frau des Kriminellen. Und diese händigt den Beamten einen Brief aus, der an ihren Ex-Mann adressiert ist. Absender: ein Albaner, mit dem der Profi-Einbrecher früher „zusammengearbeitet“ hat. Mittlerweile sind die Männer zerstritten. In dem Brief droht der Albaner mit „der Wahrheit“ und schreibt „Du weiß, was du in Mehren getan hast!“.

Der Durchbruch
Wieder wenden sich die Ermittler an die Ex-Frau des Briefeschreibers – und treffen erneut ins Schwarze. Er hat in derselben Nacht seiner Ex-Frau die Tat gestanden. Als Rädelsführer einer Einbrecherbande habe er den Überfall auf das Paketdepot organisiert und zwei seiner Leute dorthin geschickt. Einer der Männer habe die Nerven verloren und den Depotleiter erschlagen.

Zehn Jahre nach der Tat können die Ermittler endlich die Männer festnehmen, die für den Tod von Hans Joachim Eckert verantwortlich sind. Im Mai 2016 fällt das Urteil: Der Albaner muss als Rädelsführer für acht Jahre ins Gefängnis. Einer der Mittäter wird zu einer vierjährigen Jugendstrafe verurteilt. Der Haupttäter bekommt wegen Raubes mit Todesfolge in Tateinheit mit Totschlag eine Haftstrafe von 15 Jahren.

Kriminalpsychologin Lydia Benecke analysiert:
Diese Täter erleben Gewalt in ihrem Alltag als etwas Selbstverständliches. In den Kreisen, in denen sie sich aufhalten, ist Gewalt etwas Normales und wird von jedem ausgeübt. Außerdem gibt es den Grundsatz: Keiner verrät den anderen. Denn letztlich haben fast alle etwas auf dem Kerbholz.
Die Schuld am Tod von Hans Joachim Eckert suchen Täter wie diese beim Opfer selbst. Meist nach der Devise: „Hätte er sich nicht gewehrt, würde er heute noch leben.“ Dass der Täter in diesem Fall so brutal zuschlug, könnte mehrere Gründe haben: So entluden sich an diesem Abend vermutlich tief aufgestaute Aggressionen des Täters, die mit dem Opfer letztlich nichts zu tun hatten. Eventuell belastete die Weihnachtszeit den Haupttäter zusätzlich.