Tödliche Betäubung

Rentner stirbt durch K.o.-Tropfen

(XY-Sendung vom 12. Januar 2022)
Auf einem Autobahn-Parkplatz liegt nachts bei Eiseskälte ein Mann im Gras. Er lebt, ist aber bewusstlos und völlig unterkühlt. Stunden später stirbt er im Krankenhaus. Was die Obduktion zutage bringt, ruft die Kriminalpolizei auf den Plan.

XY-Szenenfoto

1991: Tado Lončar ist 61 Jahre alt und Frührentner. Er lebt in einem kleinen Dorf in Jugoslawien. Es ist die Zeit der sogenannten „Balkan-Kriege“, die mit dem Zerfall Jugoslawiens enden werden. 1991 allerdings ist die Lage im Land noch unübersichtlich.

Tado Lončar †

Zurück nach Deutschland
Tado Lončar hatte in den 70er Jahren in Deutschland gelebt und gearbeitet, er bezieht eine kleine Rente. Aufgrund der Kriegswirren und eines Wirtschaftsembargos werden die Altersbezüge aber nicht nach Jugoslawien überwiesen. Notgedrungen muss der 61-Jährige nach Deutschland reisen, um seine Jahres-Rente in bar abzuholen. Tado Lončar lebt in ärmlichen Verhältnissen. Er ist dringend auf das Geld angewiesen.

Am 6. Dezember 1991 will er wieder zurück nach Jugoslawien reisen. Von Stockstadt aus, wo er bei einem Freund übernachtet hat, fährt er mit dem Zug nach Frankfurt am Main. In der Nähe des Hauptbahnhofs geht er in ein Reisebüro, um seine Busfahrkarte abzuholen. Von dort ist es nur eine kurze Strecke bis zum Bus, der ihn  nach Jugoslawien bringen soll. Doch Tado Lončar steigt nicht ein.

Schreckliche Entdeckung
Stattdessen findet ihn ein Abschlepp-Unternehmer am 7. Dezember 1991, gegen 4 Uhr auf einem Parkplatz an der A 5 bei Alsfeld – etwa 100 Kilometer nördlich von Frankfurt/Main. Tado Lončar ist bewusstlos und völlig unterkühlt. Im Krankenhaus stirbt er kurz darauf.

Sein Leichnam wird untersucht. Dabei kommt heraus: Tado Lončar hat einen Blutalkoholwert von 0,59 Promille und ein verschreibungspflichtiges Medikament im Blut, das stark betäubend wirkt und zu ohnmachtsähnlichen Schlaf- und Bewusstseinsstörungen führt. Außerdem sorgt der Wirkstoff dafür, dass der Körper schneller Wärme abgibt – so dass bereits bei Außentemperaturen unter 15 Grad eine lebensbedrohliche Unterkühlung entstehen kann.

Lage des Auffindeorts

Zusammenhang mit anderen Fällen
Die Polizei vermutet: Tado Lončar wurde das Medikament heimlich verabreicht, um ihn zu betäuben. Anschließend wurde er vermutlich ausgeraubt – die von ihm abgeholte Rente in Höhe von 2.500 D-Mark konnte nie aufgefunden wurden. Nach der Tat ließen der oder die Täter den Bewusstlosen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf dem Autobahnparkplatz im Gras liegen.

Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zu einer ganzen Serie von Taten, die im Zeitraum von 1991 bis 1995 geschehen sind. Dabei wurden die Opfer mit demselben Wirkstoff wie Tado Lončar betäubt, ausgeraubt und anschließend achtlos abgelegt. Die Täter dieser Serie konnten gefasst und verurteilt werden. Allerdings: Die nachgewiesenen Fälle der Bande fanden alle im Raum Bayern statt – kein einziger bekannter Fall in Hessen. Sind die Parallelen also nur Zufall oder besteht doch ein Zusammenhang?

Geraubte Gegenstände:
Tado Lončar hatte zwei Taschen dabei: Eine war schwarz mit lilafarbenem Streifen auf der Vorderseite, die andere eher abgenutzt und vermutlich grün. Außerdem trug Tado Lončar eine silberfarbene Armbanduhr mit Metallarmband und arabischen Zahlen auf dem Ziffernblatt, die seit der Tat ebenfalls fehlt.

Fragen nach Zeugen:

  • Wer hat 1991 Beobachtungen gemacht, die mit dem Tod von Tado Lončar in Verbindung stehen könnten?
  • Wer hat beobachtet, wie Männer im Rhein-Main-Gebiet verdächtig von anderen Personen (eventuell auf Jugoslawisch) angesprochen und zu einem alkoholischen Getränk eingeladen wurden?
  • Wo gab es im Spätsommer oder Herbst 1991 ähnlich gelagerte Fälle im Rhein-Main-Gebiet, die gegebenenfalls nicht zur Anzeige gebracht worden bzw. als Unfall behandelt worden sind?
  • Wo sind nach dem 6. Dezember 1991 die beiden fehlenden Taschen oder die Uhr aufgefallen?

Belohnung: Für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens führen, ist eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.

Zuständig:  Kripo Alsfeld (zurzeit in Lauterbach), Telefon: 06641 / 97 10
(ab 13. Januar in Alsfeld): 06631 / 97 40)