Trotz Festnahme viel Arbeit für Soko

Ermittlungen nach Mord an Studentin «außergewöhnlich aufwändig»

Mehr als ein Vierteljahr ist seit dem gewaltsamen Tod einer Studentin im Chiemgau vergangen. Ein Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft – er schweigt.  

Der Leiter der «Soko Club», Kriminaldirektor Hans-Peter Butz (li.), bittet das XY-Publikum in der November-Sendung um Hinweise.

Aschau im Chiemgau (dpa) – Die Polizei steht nach dem gewaltsamen Tod einer Studentin im oberbayerischen Aschau im Chiemgau weiter vor umfangreichen Ermittlungsarbeiten. Ein Heranwachsender, der unter Tatverdacht in Untersuchungshaft sitzt, schweigt. Der Mann habe in der Sache keine Angaben gemacht, sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag.

«Der ganze Fall ist außergewöhnlich aufwändig von den Ermittlungen her.» Er hofft, dass in einigen Wochen die eigens eingerichtete Soko «Club» den Großteil ihrer Arbeit getan haben wird.  Auch in «Aktenzeichen XY… ungelöst» hatte die «Soko Club» Zeugen gesucht und um Mithilfe  gebeten.

Schon 1.000 Zeugen vernommen
Die 23 Jahre alte Studentin hatte am 2. Oktober in dem Club «Eiskeller» in Aschau im Landkreis Rosenheim gefeiert und war danach nicht nach Hause gekommen. Stunden später – am nächsten Tag – entdeckte ein Passant ihre Leiche flussabwärts in der Prien. Fest steht nach früheren Angaben der Polizei, dass die Frau zwischen 2 und 3 Uhr morgens ums Leben kam.

Rund sechs Wochen später wurde ein zwischen 18 und 21 Jahre alter Mann festgenommen: ein  Jogger, der in der Tatnacht in der Nähe des «Eiskellers» gesehen worden war.

Noch immer umfasst die Sonderkommission der Polizei 30 Kolleginnen und Kollegen, sagt Sonntag. In mehreren Bereichen sei noch viel abzuarbeiten. «Wir haben über 1.000 Personen als Zeugen vernommen.» Viele seien als Gäste an dem Abend in dem Club gewesen. Rund 800 Menschen hatten dort bis tief in die Nacht gefeiert. Mit ihnen die Studentin.

Allein die Bilder der Videokameras aus der Nähe ergeben eine immense Materialfülle, wie Sonntag erklärt. «Es sind hunderte Gigabytes Daten, die wir ausgewertet haben und noch auswerten, darunter Aufzeichnungen von Kameras aus der Umgebung.» Zudem würden Funkzellen überprüft, um herauszufinden, welches Handy dort eingeloggt war.

Wem gehört diese Uhr?  
Noch immer suchen die Ermittler nach dem Besitzer einer Armbanduhr, die in einem Bach unweit des Nachtclubs gefunden wurde. In der Nähe der Uhr war auch ein Ring entdeckt worden, den die Frau getragen und offensichtlich im Bach verloren hatte. Deshalb sieht die Polizei in der Uhr eine wichtige Spur.

«Es gibt 1.700 Uhren dieses Modells, die verkauft wurden. Wir versuchen den Weg jeder einzelnen Uhr zu rekonstruieren und herauszufinden, bei wem sie gelandet ist», sagt Sonntag. «In jedem Bereich ist ein Riesenberg Arbeit vor uns.»

Der Jogger war zunächst als Zeuge gesucht worden. Dann erhärtete sich der Verdacht, so dass er am 18. November festgenommen wurde.

Fotos:  Securitel / ZDF

23.01.23 wel