Überfall endet tödlich – für die Täter

Juwelier (71) wehrt sich gegen zwei bewaffnete Räuber

Plötzlich stehen zwei bewaffnete Räuber in einem Juweliergeschäft in Celle. Dann fallen Schüsse. Der Inhaber soll die beiden Angreifer tödlich getroffen haben. Die Ermittler hoffen jetzt auf Zufalls-Fotos vom Ort des Geschehens.

Mitarbeiter der Spurensicherung waren bis zum Abend vor und in dem überfallenen Juweliergeschäft tätig.

Celle (dpa) – Nach einem Raubüberfall auf einen Altstadt-Juwelier in Celle ist auch ein zweiter Verdächtiger gestorben. Der Juwelier soll gestern Nachmittag einen mutmaßlichen Täter erschossen und einen weiteren zunächst schwer verletzt haben. Dieser starb am Abend im Krankenhaus, wie die Polizei heute Morgen mitteilte.

Der genaue Tatablauf ist nach wie vor unklar, erklärte eine Sprecherin. Die Polizei bittet Zeugen, sich zu melden. Die Ermittler hoffen vor allem auf touristische Fotos, die zufällig am Ort des Geschehens in der Altstadt entstanden sein könnten.

Beide Täter getroffen 
Nach den bisherigen Erkenntnissen betraten die beiden Männer das Juweliergeschäft in der Fußgängerzone gestern Nachmittag bewaffnet. Laut Polizei planten sie einen Überfall. In den Geschäftsräumen befand sich in diesem Moment nur das Inhaber-Ehepaar  – 71 und 72 Jahre alt. Das Geschehen in dem alteingesessenen Geschäft geriet dann offenbar außer Kontrolle: Es fielen mehrere Schüsse. Wer genau die beiden mutmaßlichen Täter sind, steht noch nicht fest. Es gebe aber erste Hinweise auf deren Identität, erklärten die Ermittler.

Weitere Einzelheiten wollte die Polizeisprecherin am Tatort aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Mit einem Flatterband wurde ein größerer Bereich der Fußgängerzone abgesperrt, Polizeibeamte waren im Innern des Juweliergeschäfts im Einsatz. Von außen deutete nichts auf den Überfall hin. Die Scheiben des Geschäfts, in dem auch teures Porzellan angeboten wird, sind von den Schüssen nicht beschädigt worden.

Heute Morgen hieß es zudem, es gebe Hinweise darauf, dass sich die mutmaßlichen Täter mit einem Rollstuhl fortbewegt hätten. Ob dieser medizinisch notwendig oder etwa eine Tarnung gewesen sei, steht noch nicht fest. Dagegen steht wohl die Identität zumindest eines der beiden mutmaßlichen Räuber fest. Demnach handelt es sich um einen 35-Jährigen.

War es Notwehr? 
Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen den Juwelier wegen des Verdachts auf Totschlag. Nach den bisherigen Erkenntnissen sei klar, dass der 71-Jährige auf die beiden mutmaßlichen Räuber geschossen und sie tödlich verletzt habe, sagte die Sprecherin der Anklagebehörde, Stefanie Vogler, heute. Demnach ist der 71-Jährige Inhaber einer gültigen Waffenbesitzkarte und durfte die Schusswaffe benutzen. Die Ermittler prüfen, ob der Mann in einer  Notwehrsituation  war. «Auf den ersten Blick sieht es nach Notwehr aus. Das muss nun im Einzelnen geprüft werden», so Vogler. Der genaue Tathergang ist bislang unklar, da es keine Überwachungskamera in dem Geschäft gibt.

Foto:  Moritz Frankenberg / dpa

15.09.20 wel
aktualisiert: 16:00  wel