Unterkunft für Ukrainer niedergebrannt: Feuerwehrmann unter Tatverdacht

Schwerin/Groß Strömkendorf (dpa) – Beim Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft nahe Wismar hat die Staatsanwaltschaft keinen Hinweis auf einen politischen Hintergrund. Gestern Morgen wurde ein 32-jähriger Feuerwehrmann als Verdächtiger festgenommen. Es gebe keine staatsschutzrelevanten Erkenntnisse, sagte Oberstaatsanwältin Claudia Lange von der Staatsanwaltschaft Schwerin. «Wir gehen im Ergebnis der Ermittlungen davon aus, dass die Tat in Groß Strömkendorf Teil einer Brandserie ist.» Der Verdächtige, der sowohl in der Berufs- als auch in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, streitet die Vorwürfe ab.

Das reetgedeckte ehemalige Hotel in Groß Strömkendorf war in der Nacht zum 20. Oktober weitgehend abgebrannt. Die 14 ukrainischen Bewohner der Unterkunft und ihre drei Betreuer konnten sich unverletzt aus dem Gebäude retten  (e110 berichtete).  Die Tat schlug hohe Wellen.

Feuerwehrmann verstrickt sich in Widersprüche  
Die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft stützen die direkt nach dem Großbrand in Teilen der Öffentlichkeit lautgewordenen Vermutungen einer rassistisch motivierten Straftat jedoch nicht. Diese hatten sich an einer Hakenkreuz-Schmiererei entzündet, mit der zwei Tage vor dem Brand ein Schild des Deutschen Roten Kreuzes vor dem Gebäude beschmiert worden war. Auch die Ermittler hatten einen politischen Hintergrund deshalb zunächst nicht ausgeschlossen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge geht das Brandgutachten von einer vorsätzlichen Brandlegung aus, bei der auch ein Brandbeschleuniger zum Einsatz kam. Dem Verdächtigen zum Verhängnis wurde laut Kriminalpolizei aber nicht das Gutachten, sondern seine eigene Aussage: Diese habe nicht zu den Angaben der restlichen über 120 befragten Anwohner und Einsatzkräfte gepasst. Ungereimtheiten in Verbindung mit den gesicherten Spuren rechtfertigen laut Staatsanwaltschaft die Vermutung, dass sich der 32-Jährige bereits zur Tatzeit am Tatort befand. Er hatte sich jedoch auch an den Löscharbeiten beteiligt.

Brandserie mit 15 weiteren Bränden  
Der dringende Tatverdacht erstreckt sich nicht allein auf den Brand der Flüchtlingsunterkunft, sondern auch auf drei weitere Feuer in einem Waldstück, einem Carport und einer Strohmiete. Zusätzlich wird er verdächtigt, 15 weitere Brände seit April dieses Jahres gelegt zu haben. Der 32-Jährige wurde gestern bereits der Haftrichterin am Amtsgericht Schwerin vorgeführt und sitzt nun in Untersuchungshaft. Bei einer Hausdurchsuchung wurden zudem weitere Beweise sichergestellt, die jedoch noch nicht ausgewertet worden seien.

17.11.22 wel