Zwei Teenies unter Mordverdacht

Vermisste 15-Jährige wurde in Park umgebracht

Ein 15-jähriges Mädchen wird tot in einer Grünanlage in Salzgitter gefunden. Schnell gibt es die traurige Gewissheit: Es wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Zwei mutmaßliche Täter geraten ins Visier. Sie sind sogar jünger als die Getötete.

Polizisten beraten sich am Rande des Fundorts.

VON CHRISTIAN BRAHMANN  (dpa)
Blumen und Kerzen bringen Trauer und Entsetzen in Salzgitter zum Ausdruck: Für den Tod eines 15-jährigen Mädchens in der niedersächsischen Stadt sollen zwei Jugendliche verantwortlich sein. Ein 13-Jähriger und ein 14-Jähriger gelten als dringend tatverdächtig, wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig heute mitteilte. «Wir gehen derzeit von einem Mord aus niedrigen Beweggründen aus», sagte Behördensprecher Hans Christian Wolters.

Die beiden Jugendlichen seien vorläufig festgenommen worden, sagte Wolters weiter. Es handele sich um zwei Deutsche aus Salzgitter. Nach bisherigen Erkenntnissen kannten die beiden das Opfer. Alle drei sollen zur selben Schule in Salzgitter-Fredenberg gegangen sein. Zum genauen Tathergang in dem Ortsteil halten sich die Ermittler aber noch bedeckt. Auch auf die Frage, wie die beiden Verdächtigen so schnell in den Fokus gerieten, will sich die Staatsanwaltschaft zunächst nicht äußern.

Große Suchaktion im Stadtviertel
Bei einer intensiven Suchaktion mit mehr als 50 Beamten und Spürhunden war der Leichnam der 15-Jährigen gestern in einer Grünanlage entdeckt worden. Angehörige hatten das Mädchen am Sonntagabend bei der Polizei als vermisst gemeldet. Im Internet kursierte schnell ein privater Zeugenaufruf mit einem Foto der Vermissten.

Alle seien schockiert und entsetzt über den Tod der Schülerin, sagte Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel. «Ich verurteile dieses grausame und kaltblütige Verbrechen aufs Schärfste», sagte er und drückte der Familie und den Freundinnen und Freunden des Opfers Mitgefühl aus.

Keine Hinweise auf Sexualverbrechen  
Nach ersten Erkenntnissen ist die Schülerin Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. «Wir gehen von einem Tötungsdelikt aus», sagte Wolters. Für die Strafverfolger deute vieles darauf hin, dass die Tat am Sonntag begangen wurde. Zu den Vorwürfen haben sich die Verdächtigen zunächst nicht geäußert. «Das Motiv für die Tat ist noch nicht endgültig geklärt, liegt nach derzeitigen Erkenntnissen aber im persönlichen Bereich», teilte die Staatsanwaltschaft mit. Hinweise auf eine Sexualstraftat gebe es derzeit nicht. 

Für den 14-Jährigen wurde beim Amtsgericht Braunschweig ein Haftbefehl wegen Mordes beantragt. Eine Inhaftierung des 13-Jährigen ist wegen der Strafunmündigkeit nicht möglich. Über den Tatverdacht gegen ihn ist aber das Jugendamt informiert worden. Die Einrichtung stehe im intensiven Kontakt mit der Polizei, sagte der Jugenddezernent in Salzgitter, Dirk Härdrich. Sofern eine Inobhutnahme in Betracht komme, sei die Zustimmung der Eltern oder eine Entscheidung des Familiengerichts über die elterliche Sorge notwendig. «Eine Zwangsunterbringung ist nur durch familiengerichtlichen Beschluss zulässig», sagte er.

Spurensuche heute fortgesetzt  
Weitere Informationen zu den genauen Todesumständen erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion, deren Ergebnisse für morgen erwartet werden. Der Fundort in Fredenberg war auch heute noch abgesperrt. Ermittler setzten dort ihre Spurensuche fort. Es gehe darum, den Tathergang schnell und möglichst genau zu rekonstruieren, sagte ein Polizeisprecher aus Salzgitter. Auch die Zeugenvernehmungen wurden ihm zufolge fortgesetzt.

Foto:  Rudolf Karliczek / dpa

22.06.22 wel
aktualisiert: 17:30  wel