Von der Pirouette zur Prävention

Seine Rolle als „XY“-Moderator, sein Erfolg als „Eisprinz“ und eine mögliche Karriere als Schauspieler – das kam in einem  Interview zur Sprache, das Rudi Cerne für „alverde“ gab, dem Kundenmagazin des dm-drogerie-markts.
Hier – mit freundlicher Genehmigung – Auszüge aus dem Gespräch:

alverde: Warum sollte der Zuschauer einschalten, wenn im ZDF „Aktenzeichen XY… ungelöst“ läuft? 

Rudi Cerne: Weil die Sendung eine gute Mischung aus Information und Unterhaltung bietet. Als Eduard Zimmermann „Aktenzeichen XY… ungelöst“ und zuvor „Vorsicht, Falle!“ aus der Taufe hob, hatte er nicht im Sinn, ein neues Format zu erfinden und die Einschaltquoten zu steigern. Ihm ging es um Aufklärung, weil er selbst beim Hausbau fast übers Ohr gehauen wurde. Der Aufklärungs- und Präventionsgedanke ist noch immer wichtig. Aber klar ist auch: Nicht jeder guckt zu, weil er meint, dass er einen Hinweis geben kann. Die Filme in „Aktenzeichen XY… ungelöst“ sind auch spannende Unterhaltung. Der Zuschauer verspürt ein Kribbeln, weil die Fälle dramatisch sind – und weil er weiß, sie sind real.

alverde: Ist das nicht auch fragwürdig, sich von dem, was anderen Menschen Schlimmes passiert ist, unterhalten zu lassen? 

Rudi Cerne: Wenn sich das Angenehme mit dem Nützlichen trifft, ist es optimal. Was wäre die Alternative? Zu sagen: Oh Gott, oh Gott, wie schrecklich – darüber dürfen wir nicht berichten? Die Polizei braucht die große Öffentlichkeit. Wir haben eine Aufklärungsquote von 40 Prozent.

alverde: Die Sendung ist das „Baby“ von Eduard Zimmermann. Die Verbrechensaufklärung und der Opferschutz waren seine Lebensmission. Welchen Stellenwert hat die Sendung bei Ihnen – ist es nur ein Moderationsjob?

Rudi Cerne: Ich engagiere mich auch im Opferschutz. Nicht im Weißen Ring wie Eduard Zimmermann, sondern in der Heinrich-Sauer-Stiftung, die im Rhein-Main-Gebiet aktiv ist. Ich werde zwar oft gebeten, bei karitativen Veranstaltungen mitzumachen oder Organisationen zu unterstützen. Aber das würde ausufern. Deshalb sage ich: Ich mache eine Sache – und die dann richtig.
In „Aktenzeichen XY… ungelöst“ bin ich langsam hineingewachsen. Ich war nicht gleich euphorisch, als ich das Angebot erhielt, die Sendung zu moderieren. Die Einschaltquoten waren rückläufig. Es hätte sein können, dass die Sendung nach einem Jahr eingestellt wird. In der öffentlichen Wahrnehmung wäre ich dann derjenige gewesen, der diesen Klassiker gegen die Wand gefahren hat. Glücklicherweise hat uns das ZDF die Zeit gegeben, mit dem Sendeplatz, aber auch mit der inhaltlichen Gestaltung zu experimentieren. Jetzt stehen wir sehr gut da.

alverde: Ihr Moderationsstil ist sehr locker. Wollten Sie sich damit auch von der steifen Art des Eduard Zimmermann abgrenzen? 

Rudi Cerne: Gerade Eduard Zimmermann hat mir den Rat gegeben: Rede so, wie dir der Schnabel gewachsen ist! Wir müssen die Zuschauer über 90 Minuten bei der Stange halten. Das geht nicht, wenn man immer nur mit bedrückter Miene auftritt. Ich bringe auch mal einen lockeren Spruch und provoziere ein bisschen. Natürlich nur dort, wo es passt. Wenn es etwa um den Mord an einem Kind geht, bin ich zunächst sprachlos. Als Familienvater kann ich mir vorstellen, dass nach einer solchen Tat das eigene Leben nicht mehr viel Sinn macht.

alverde:  Wann haben Sie Ihre Entertainer-Qualitäten entdeckt? Als Eisläufer waren Sie ja nicht der Showman, sondern der klassisch-elegante Läufer.  

Rudi Cerne:  Das war bei „Holiday on Ice“, der Revue, bei der ich nach meiner Amateur-Karriere gelaufen bin. Wir hatten ein Gastspiel in Münster, bei dem ich aufgrund einer Verletzung nicht auftreten konnte. Nun waren aber schon in den Jahren zuvor regelmäßig alle Stars in Münster ausgefallen. Die Zuschauer waren also sauer. Der Veranstalter hat mich deshalb gebeten, aufs Eis zu gehen und die Situation zu erklären. Das kam so gut an, dass ich im nächsten Jahr die Rolle eines Conferenciers bekam und durch dje Revue führte. Das war eine tolle Möglichkeit, mit der Sprache und mit Stimme zu trainieren. Wenn ich einen Hänger hatte oder einen schlechten Witz gemacht habe, haben das 2.000 Leute mitbekommen und nicht zwei Millionen. Auch meine Laufbahn als Journalist habe ich bei einem kleinen Sender, dem Hessischen Rundfunk, begonnen. So konnte ich Praxiserfahrung sammeln und langsam an den Aufgaben wachsen.

alverde:  Es gibt einige ehemalige Sportler, die vor der Kamera stehen. Die meisten sind aber Experten für ihre Sportart. Wie haben Sie es geschafft, sich zum Allrounder zu entwickeln?  

Rudi Cerne: Ich wollte auf keinen FaIl der Eisprinz sein und zweimal im Jahr Europa- und Weltmeisterschaften kommentieren. Dafür bin ich zu ehrgeizig. Geholfen hat mir, dass ich immer an anderen Sportarten interessiert war. Tennis liebe ich zum Beispiel – das ist im Augenblick leider auch ein Ladenhüter wie Eiskunstlauf (lacht).

alverde:  Sie sagen, dass Sie nicht ohne Ehrgeiz sind und auf Ihre berufliche Vielseitigkeit achten. Nun haben Sie eine Gastrolle in der ZDF-Serie „Rosenheim-Cops“ übernommen. Planen Sie eine Schauspielkarriere?  

Rudi Cerne:  So weit denke ich noch nicht. Es hat zunächst viel Spaß gemacht – und mich ein bisschen an die Zeit bei „Holiday on Ice“ erinnert. Es wird sehr viel vorbereitet, ausgeleuchtet, geprobt. Wenn dann die Kamera läuft, müssen die Sätze aus dem Drehbuch ganz natürlich rüberkommen. Ich kann mich schon sicher vor der Kamera bewegen, aber ich bin realistisch genug, um zu wissen, dass die Produzenten im Land nach der Ausstrahlung nicht sagen werden: „Donnerwetter, auf den Cerne haben wir gewartet. Der muss jetzt Hauptrollen übernehmen.“

(„alverde – ­ das Kundenmagazin von dm-drogerie-markt“ ist kostenlos erhältlich in den dm-Filialen.)

Fotos: Securitel, alverde

16.06.09  wel