Wann klicken die Handschellen?

LKA Mainz hat 300 europäische Haftbefehle ständig offen

Bei der internationalen Fahndung nach Straftätern landet das Landeskriminalamt Mainz regelmäßig Treffer. Rund 60 Gesuchte werden jedes Jahr im Ausland gestellt und nach Rheinland-Pfalz überführt.

Mainz (dpa) – Bei der Fahndung nach Straftätern im Ausland hat sich die internationale Zusammenarbeit laut Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz in den letzten Jahren deutlich verbessert. «Für Täter wird es immer schwieriger. Die sicheren Häfen sind deutlich weniger geworden», sagt der Leiter des Dezernats Internationale Polizeiliche Zusammenarbeit/Internationale Fahndung beim LKA, Frank Thomas.

Man habe in den Schengen-Staaten gemeinsame Fahndungsdatenbanken und ein Informationssystem, das immer besser werde. Zudem gebe es inzwischen «so etwas wie «ein europäisches Polizei-Outlook»» mit «absolut gesicherten Datenleitungen». Über die könne ein Polizist einer rheinland-pfälzischen Dienststelle mit Partnerdienststellen im Ausland in Kontakt treten. «Das ist ein Riesenschritt», sagt Thomas. Arbeitssprache sei Englisch. Dieser Weg habe «die Zusammenarbeit mit dem Ausland erheblich beschleunigt».

Europäische Haftbefehle gibt’s jetzt schneller  
Zum Beispiel bei der Fahndung nach Personen, die per Haftbefehl gesucht werden. «Man kann für Rheinland-Pfalz sagen, dass  ständig ungefähr 300 europäische Haftbefehle aktiv sind», berichtet der Dezernatsleiter. Er geht davon aus, dass die Zahl steigen werde. Die Schwelle für die Ausstellung eines europäischen Haftbefehls sei ja jüngst gesenkt worden. «Er soll in bestimmten Fällen eher die Regel als die Ausnahme werden», hofft Thomas.

Das Team um Thomas holt die gesuchten Tatverdächtigen im Ausland zurück, wenn diese dort festgenommen und die Auslieferung bewilligt worden ist. Auch dort steigen die Zahlen: «Da haben wir so etwa um die 60 im Jahr. Und die gleiche Anzahl an Personen, die in Rheinland-Pfalz festgenommen wurden, holen auch ausländische Strafverfolgungsbehörden ab.»

«Schnell und hocheffektiv»
Zum Dezernat von Thomas gehört auch die sogenannte Zielfahndung «für herausragende Fälle mit besonders hohen Straferwartungen oder einer besonderen Gefährlichkeit des Täters». Das könnte ein flüchtiger Vergewaltiger oder mutmaßlicher Mörder sein.

Die internationale Zusammenarbeit laufe da «schnell und hocheffektiv» ab: Über die Koordinierungsstelle Bundeskriminalamt tauschten sich Zielfahnder in einem Netzwerk auf europäischer Ebene direkt aus. Bei der Suche nach Spuren «werde jeder Stein umgedreht»: Ein Urlaubsfoto aus Korsika könnte da schon ein Ansatz sein, sagt Thomas. «Die Kunst ist, dass man die Spur aufnimmt und auf der anderen Seite Kollegen motiviert, die Spur ebenfalls aufzunehmen.»

Gesuchter lokalisiert, aber Fahndung läuft weiter  
Bei der Zielfahndung seien die Fallzahlen eher gering. Es seien aber so schon Täter in Asien und Südamerika «lokalisiert» und gestellt worden. Nicht immer bedeute die «Lokalisierung» eines Täters, dass er ergriffen werde, sagte der Experte. Wenn Flüchtige sich in Länder zurückziehen, mit denen es aus rechtlichen Gründen Hindernisse bei der Zusammenarbeit gibt, kann es sein, dass die Fahndung bestehen bleibt, obwohl der Aufenthalt an sich bekannt ist.

Illustration:  Uli Deck / dpa     (Bildbearbeitung: e110)

05.01.23 wel