Was für ein Feldzug

Wie die Stadt Leipzig das Drogen-Ding handeln will

Leipzig (dapd. Die Stadt gilt mit mehr als 1.600 Abhängigen illegaler Drogen als Zentrum des Drogenhandels und Rauschgiftkonsums in den neuen Ländern. Nach heftigen
Debatten zwischen Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) und Wawrzynski um die Drogenpolitik der Stadt Leipzig hatte sich eine gemeinsame Arbeitsgruppe
gebildet, die über das weitere Vorgehen im Umgang mit Drogenabhängigen entscheiden soll. «Die Abstinenzorientierung steht schon jetzt in den
drogenpolitischen Leitlinien der Stadt, doch sie müsste auch wieder von allen konsequent angewandt werden», forderte Wawrzynski.

Kritik an den Drug Scouts
Er kritisiert unter anderem die Arbeit der Drug Scouts, einem Projekt des Suchtzentrums Leipzig. Die Drug Scouts  empfehlen zum Beispiel Heroinabhängigen, die Droge nich  zu spritzen, sondern zu sniefen oder rauchen, weil «es nicht nur weniger schädlich, sondern auch geselliger» sei.
  ie informieren außerdem ausführlich darüber, wie lange die Wirkstoffe der unterschiedlichsten Rauschgifte in Urin und Haaren bei der Polizei nachweisbar sind oder raten Süchtigen, bei den Strafverfolgungsbehörden außer Namen, Wohnort und Geburtsdatum keine weiteren Angaben zu  achen. «Das hat für mich nichts mit verantwortlicher Drogenpolitik zu tun», kritisierte der Leiter der Polizeidirektion Leipzig.

Eine Konzentration der offenen Drogenszene in Leipzig, die  derzeit über das Stadtgebiet verteilt ist, auf einen einzigen Platz hält Wawrzynski für falsch. «Ich sehe die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche, die dort in der Nähe aufwachsen, in die Szene hineinrutschen können», sagt der 59-Jährige
Auch 2012 will er die Drogenszene und dabei vor allem die Dealer mit Razzien, die die Polizei Komplexkontrollen nennt, unter Druck setzen. In diesem Jahr führte die Polizei erstmals Komplexkontrollen durch. «Repression gehört nun mal auch zu den Aufgaben der Polizei», begründete der Polizeipräsident das Vorgehen.

Drogenpreise stark gestiegen
Die Erfolge der Ermittlungsarbeit der Leipziger Polizei bekommen die Süchtigen direkt zu spüren: Bei Festnahmen von Dealern nahm die Polizei seit 2009 mehr als 60 Kilogramm Heroin, 24,5 Kilogramm Marihuana und 2,9 Kilogramm Crystal vom Markt, was den Preis enorm in die Höhe trieb. Dadurch steigt auch der Druck, sich Geld auf kriminellem Weg für den Drogenkauf zu beschaffen.

80 bis 100 Euro benötige ein Abhängiger jeden Tag. «Bei den niedrigen Einkommensverhältnissen in Leipzig ist das nur auf kriminellem Weg durch Raub und Einbrüche zu bekommen», sagte Wawrzynski. «Selbst wenn man nur einen Bedarf von 30 Euro am Tag und nur 1.000  rogenkonsumenten zugrunde legt, ergibt sich ein jährlicher Betrag von mehr als zehn Millionen Euro.»

Für die Prävention regt der Polizeipräsident an, ehemalige Abhängige in Schulen von ihrer Sucht berichten zu lassen. «Das hat eine viel größere Wirkung auf die Schüler als die bisherigen Präventionsangebote», schätzte Wawrzynski ein. «Wenn sie zeigen, wie tief sie in der Drogenszene gesunken waren und wie schwierig es war, wieder herauszukommen, hat das einen nachhaltigen Eindruck auf die Mädchen und Jungen.»

24.12.2011 dv